Verarbeitungsrichtlinien Rigidur Estrichelemente für hoch belastbare Fußböden – Teil 6

Oberbeläge

Bei den notwendigen Maßnahmen zur fachgerechten Verlegung von Oberbelägen auf Rigidur Trockenestrichböden gibt es eine Vielzahl von Komponenten unterschiedlicher Hersteller. Für die fachgerechte Verlegung von Oberbelägen auf Rigidur Estrichelementen stehen geprüfte Lösungen von Saint-Gobain Weber, UZIN oder MAPEI zur Verfügung.

Die Angaben zur Verarbeitung von Rigidur Estrichelementen sind dabei ebenso zu beachten wie die Richtlinien der jeweiligen Gewerke und die Verarbeitungsanweisungen der Hersteller für Kleber, Mörtel und Bodenbeläge.

Die eingesetzten Kleber und Mörtel müssen für die Verwendung auf Gips- Trockenestrichen ausdrücklich geeignet sein. Wenn vom Hersteller des Klebstoffes eine systemgebundene Grundierung vorgeschrieben ist, ist diese trotz der werkseitigen Vorgrundierung der Estrichelemente einzuhalten.

Eventuell vorhandene Dehnungsfugen im Trockenestrich und im Unterboden sind bei der Verlegung von Oberbelägen zu berücksichtigen. Für die Dehnungsfugen ist eine geeignete Fugenausbildung vorzusehen.

Bei Wannen- und Duschwannenfüßen sind die zulässigen Einzellasten zu beachten. Rigips empfiehlt die Füße bei punktförmiger Belastung des Trockenestrichs unter Berücksichtigung von schallschutztechnischen Aspekten auf dem Rohfußboden zu installieren.

Vorbehandlung

Bei einer Verklebung von Bodenbelägen auf Rigidur Estrichelementen ist vor der Verklebung eine Grundierung notwendig, um eine Wasseraufnahme in das Estrichelement zu begrenzen. Andernfalls ist es möglich, dass der Klebstoff nicht die notwendige Abbindezeit hat und die vom Hersteller angegebenen Eigenschaften nicht erreicht werden. Geeignet sind vom Hersteller speziell für gipsbasierte Trockenestriche freigegebene Grundierungen. Bei dünnen Oberbelägen ist der Einsatz einer Fließspachtelmasse notwendig. Dazu werden die Plattenfugen und Stöße vorher oberflächenbündig mit Rigips VARIO Fugenspachtel geschlossen.

Achtung: Schreibt ein Hersteller von Oberbelägen eine bestimmte Grundierung oder Spachtelmasse im System vor, ist ihre Eignung für gipsgebundene Trockenestriche sicherzustellen.

Stuhlrollenfestigkeit

Rigidur Estrichelemente sind aufgrund der besonderen Materialeigenschaften der Gipsfaserplatten bestens für die Beanspruchungen durch Stuhlrollen geeignet. Es ist jedoch darauf zu achten, dass auch der gewählte Oberbelag den Anforderungen der Stuhlrollenfestigkeit entspricht. Weiterhin sind für stuhlrollengeeignete Oberbeläge spezielle Stuhlrollen zu verwenden, die der DIN EN 985 und EN 12529 entsprechen.

Elastische Oberbeläge

Alle dickeren elastischen Beläge, wie z. B. textiler Teppichboden, können im Anschluss an die Verlegung von Rigidur Estrichelementen und dem oberflächenbündigen Schließen von Fugen und Verbindungsmittelköpfen mit Rigips VARIO Fugenspachtel direkt aufgebracht werden.

Eine Fixierung der Oberbeläge wie Teppichböden erfolgt z. B. mit Teppichklebebändern. Diese sollten eine spätere Entfernung des Belags ohne Rückstände und Beschädigungen des Estrichs ermöglichen. Alternativ ist eine Flüssigfixierung verwendbar. Hierzu sind ebenfalls die Verlegeempfehlungen der Hersteller zu beachten.

Bei der Verwendung von PVC oder ähnlich dünnen Belägen ist die Estrichoberfläche mit Fließspachtel zu versehen, um eine homogene und durchgehend glatte Oberfläche zu erhalten. Im Einzelnen sind die Richtlinien der jeweiligen Gewerke und die Verarbeitungsanweisungen der Hersteller für Kleber und Bodenbeläge zu beachten.

Keramik- und Natursteinbeläge

Auf allen Rigidur Estrichelementen können grundsätzlich Beläge aus Feinsteinzeug, Naturstein und Fliesen, die im Dünnbettverfahren verlegt werden dürfen, aufgebracht werden. Rigips empfiehlt hierfür als Fliesenkleber Produkte von Saint-Gobain Weber oder MAPEI.

Die maximal zulässigen Einzellasten betragen für die in der Rigips Verarbeitungsrichtlinie angegebenen Fliesenformate 2 kN (Wohn- und Bürobereich). Wenn der Aufbau der Tragschicht im jeweiligen Anwendungsbereich nur 1 kN vorsieht (vgl. Tabelle auf Seite 26 der Verarbeitungsrichtlinien Fußboden) ist auch bei der Verwendung von Fliesen nur eine Einzellast von 1kN (Wohnbereich) zulässig. Großformatige Fliesen (Kantenlänge > 330 mm) müssen mindestens der Klasse BIa nach EN 14411 entsprechen. Das Seitenverhältnis der Fliesengeometrie in Kombination mit einer Lastverteilplatte Rigidur H 10 mm kann maximal 1 : 3 betragen. Ohne Lastverteilplatte ist das Seitenverhältnis auf 1 : 2 begrenzt. Die Stärke der Feinsteinzeugfliesen muss mindestens 9 mm, die der Natursteinplatten mindestens 15 mm betragen. Rohdecken müssen ausreichend biegesteif ausgebildet sein. Insbesondere die obere Beplankung von Holzbalkendecken darf sich unter veränderlichen Lasten nicht über ein Maß von l / 500 hinaus verformen. Fugen von stumpf gestoßenen Fliesen bieten keinen ausreichenden Schutz vor Feuchtigkeit. Darüber hinaus ist ein Vorwässern der Fliesen nicht zulässig.

Parkett

Auch Parkett kann prinzipiell auf allen Varianten der Rigidur Estrichelemente erlegt werden, jedoch sind die nachfolgenden Regeln und Einschränkungen zu beachten. Die Baustellenbedingungen sind so auszurichten, dass eine Klimatisierung der Estrichelemente stattgefunden hat. Für die Verlegearbeiten des Parketts sollte die Raumtemperatur 15 - 18 °C betragen. Der Idealbereich der relativen Luftfeuchte liegt zwischen 50 - 65 %. Eine Unterschreitung der relativen Luftfeuchte von 40 % sowie eine Überschreitung von 75 % sollte vermieden werden. Es sind die DIN 18356 „Parkettarbeiten“ sowie die DIN EN 13226 sinngemäß anzuwenden.

Parkettarten und die Verwendbarkeit auf Rigidur Estrichelementen

Schwimmend verlegtes Parkett oder Laminat sind problemlos einzusetzen. Die Holzfaserrichtung ist hierbei ohne Bedeutung. Zwei- oder dreilagiges Mehrschichtparkett kann auf dem Estrichelement verklebt werden. Beim Einsatz von Massivparkett aus quellunempfindlichen Holzsorten sind vollflächige Verklebungen möglich. Massivparkett aus quellempfindlichen Hölzern ist nicht zur Verklebung auf Estrichelementen geeignet, da eine Übertragung der Quell- und Schwindkräfte auf das Estrichelement zu erheblichen Schäden führen würde. Andere massive Parkettkonstruktionen wie z. B. Holzpflaster und massive Parkettdielen (z. B. nach EN 13629), dürfen ebenfalls nicht auf Rigidur Estrichelementen verklebt werden.

Verarbeitungshinweise für die Parkettverlegung

Randfugen von mindestens 10 - 15 mm müssen durchgängig über Estrich, Parkett und Unterlage eingehalten werden. Sockelleisten dürfen nicht am Boden befestigt werden. Wechselnde Holzrichtungen wie bei Würfel- und Fischgrätmustern verringern die Kräfte durch Verformungen des Holzes bei unterschiedlichen Feuchtebedingungen.

Bei der Verklebung von Parkett, insbesondere Massivparkett, ist auf eine normgerechte Holzeinbaufeuchte zu achten, um starke Quell- oder Schubspannungen zu vermeiden. Vor dem Einbau ist die Holzfeuchte auf die zu erwartende Raumluftfeuchtigkeit abzustimmen. Es sind bei der Verklebung des Parketts geeignete Randabstände zu angrenzenden Bauteilen einzuhalten. Bei schwimmender Verlegung und Verklebung auf einer Entkopplungsschicht ist diese auf die zu erwartenden Punktlasten abzustimmen. Auf das Verspachteln der Estrichelemente kann beim Einsatz von Parkett verzichtet werden. Ungeeignet sind Kunstharz-Dispersionsklebstoffe auf Wasserbasis, die aufgrund ihres Wasseranteils zu Verformungen in der Konstruktion führen können. Ein- und Mehrkomponentenkleber auf Lösungsmittelbasis sind hinsichtlich ökologischer- und arbeitstechnischer Eigenschaften abzulehnen.

X