Verarbeitungsrichtlinien Gipsfaserplatten an Wand, Decke, Dach – Teil 4

Als besonders robuste Platten eignen sich Rigidur-Gipsfaserplatten auch sehr gut für die Erstellung von Vorsatzschalen. Unterschieden werden kann zwischen direkt auf den Untergrund angesetzte Vorsatzschalen und freistehende oder an der Massivwand rückverankerte Vorsatzschalen mit Unterkonstruktionen. Zunächst beschrieben wird die Errichtung von direkt angesetzten Vorsatzschalen.

Vorsatzschalen direkt angesetzt

Hierfür kommt eine Verbundplatte (Rigidur 10 mm + 20 mm Polystyrol) zum Einsatz, bei der die Dämmschicht direkt auf den Untergrund angesetzt wird. Diese Rigidur 30 PS Verbundplatten werden zur Verbesserung der Wärmedämmung von Außenwänden eingesetzt. Zur Vermeidung von Tauwasserbildung in der Konstruktion kann eine zusätzliche Dampfbremse nötig sein. Bei Verbundplatten, die nicht gemäß DIN 4108 freigegeben sind, ist ein rechnerischer Nachweis erforderlich.

Zuschnitte und Montage

Zuschnitte werden mit einem feinzahnigen Fuchsschwanz oder einer Handkreissäge mit Staubabsaugung vorgenommen, Aussparungen (zum Beispiel Elektrodosen) werden mit dem Stichling, einer Stichsäge oder einem Dosenschneider hergestellt.

An den Längskanten sind die Rigidur-Verbundplatten dicht zu stoßen. Dabei darf kein Ansetzbinder in die Stöße dringen. Als Ansetzbinder kann der Rifix Ansetzbinder oder der bauphysikalisch bessere Spezialkleber Rifix ThermoPlus verwendet werden. Bei Außenecken wird die Dämmschicht ausgespart. Bei Innenecken ist die Rigidur-Platte auszuklinken und eine 5 mm breite Fuge zu berücksichtigen.

Die Untergrundanforderungen sind wie beim Trockenputz zu beachten. Die Verlegung auf Mauerwerk erfolgt ebenso wie beim Trockenputz. Wasserführende Leitungen an Außenwänden dürfen wegen Frostgefahr nicht in der Wärmedämmschicht verlaufen. Bauteil-Trennfugen sind in den Vorsatzschalen zu übernehmen. In Abständen ≤ 15 m bei Massivbauten bzw. ≤ 10 m bei Skelettbauweisen sind Dehnungsfugen anzuordnen. Lasten ≥ 15 kg sind im tragenden Bauteil (Massivwand) zu befestigen.

Zwischen der Rigidur-Vorsatzschale bzw. dem Dämmstoff und dem Untergrund darf keine Luftzirkulation stattfinden. Um die Luftzirkulation zu verhindern, können die Rigidur-Verbundplatten auf zwei verschiedene Varianten angesetzt werden:

Variante 1: Punkt-Wulst-Verfahren

Bei dem Punkt-Wulst-Verfahren für die Verlegung auf unebenem Untergrund (zum Beispiel Mauerwerk) wird der Spezialkleber Rifix ThermoPlus oder der Rifix Ansetzbinder pastensteif angerührt und entlang der Plattenränder umlaufend ca. 5-10 cm breit aufgetragen und zusätzliche Klebepunkte mit einem Durchmesser von circa 100 mm in der Plattenfläche aufgebracht.

Bei Rigidur-Verbundplatten, die als Untergrund für keramische Beläge, also zum Beispiel Fliesen, dienen und eine Plattenbreite von > 625 mm haben, ist eine zweite Batzenreihe an den Drittelpunkten aufzubringen. So angesetzt, sichert die Klebewulst, dass eine Luftzirkulation zwischen dem Dämmstoff und dem Untergrund verhindert wird. Ferner ist darauf zu achten, dass beim Ansetzen die entstehende Luftschicht zwischen Dämmstoff und Untergrund so gering wie möglich gehalten wird.

Variante 2: Dünnbettverfahren

Beim sogenannten Dünnbettverfahren für die Verlegung auf ebenem Untergrund (zum Beispiel Beton) wird der Rifix ThermoPlus oder der Rifix Ansetzbinder als Kontaktschicht mit einer Glättkelle vollflächig auf die Rückseite der Rigidur-Verbundplatte aufgebracht. Anschließend wird mit einem 10 mm-Kammspachtel oder -glätter in einem Winkel von 45° bis 60° ein gleichmäßiges Kleberbett aufgezogen. Die angesetzen Platten sind mit dem Richtscheit beziehungsweise mit einem Kantholz anzuklopfen und untereinander lot- und fluchtgerecht auszurichten.

Anschlüsse und Einbauten

Der Rifix ThermoPlus oder der Rifix Ansetzbinder ist in Bereichen von Fensterlaibungen, Waschbecken, Konsolen, Schornsteinwandungen usw. vollflächig aufzubringen. Darüber hinaus ist bei einer Fensterlaibung eine entsprechende Dämmung umlaufend einzusetzen. Der Dämmstoff muss um das Maß der Laibungsdämmplattendicke ausgespart werden. Fensterlaibungsplatten (Rigips ThermoPlatte) sind ebenfalls vollflächig anzusetzen.

Zur Vermeidung von Wärmebrücken ist der Estrich im Wandbereich auszusparen und die Rigidur-Verbundplatte bis zum Rohfußboden zu führen. Zusätzlich ist der Estrich durch einen Wanddämmstreifen von der Rigidur-Verbundplatte zu trennen.

Beim Setzen von Elektrodosen ist darauf zu achten, dass eine Konvektion zwischen Dämmschicht und Mauerwerk vermieden wird, indem die Aussparung im Dämmstoff so gering wie möglich gehalten und die Verbundplatte hinter der Aussparung vollflächig verklebt wird. Optimalerweise werden hier luftdichte Dosen (zum Beispiel von KAISER) verwendet.

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