Verarbeitungsrichtlinien Gipsfaserplatten an Wand, Decke, Dach – Teil 2

Fugentechniken

Wichtig für die Ausführungsqualität der Wand- und Deckenkonstruktionen mit Gipsfaserplatten sind die ordnungsgemäße Fugenverarbeitung und ein perfektes Finish. Durch sie wird eine optimale Wandebenheit erreicht. Neben technischen und optischen Anforderungen, die gelöst werden müssen, steht wirtschaftliches Arbeiten im Vordergrund. Die Rigidur-Gipsfaserplatten bieten je nach Anwendung und Verarbeitung unterschiedliche Fugentechniken: Stoßverlegung, AK-Fugentechnik, Klebefugentechnik und Spachtelfugentechnik – ein Überblick:

Stoßverlegung

Die Platten können stumpf gestoßen werden. Hierbei entfällt der Arbeitsgang des Verklebens oder Verspachtelns der Fuge. Dies ist zum Beispiel bei doppellagiger Beplankung möglich, wenn die erste Plattenlage durch die nachfolgende verdeckt wird. Bei zweilagiger Beplankung werden die Rigidur-Gipsfaserplatten fugenversetzt angebracht. Für die zweite Lage wird dann eine der nachfolgend beschriebenen Fugentechniken eingesetzt. Detaillierte Informationen über die Fugenverspachtelung finden sich übrigens im IGG-Merkblatt Nr. 2.1 „Verspachtelung von Gipsfaserplatten und Oberflächengüten (Q 1 bis Q 4)“.

AK-Fugentechnik

Die Platten werden an den abgeflachten Kanten stumpf gegeneinander gestoßen. Danach wird der selbstklebende Rigidur Gitterbewehrungsstreifen direkt auf die abgeflachte Kante aufgeklebt. Mit einer Glättkelle wird anschließend der VARIO Fugenspachtel aufgebracht und flächenbündig abgezogen. Zur Erzielung einer perfekten Wandoberfläche wird nochmals VARIO Fugenspachtel zur Nachspachtelung eingesetzt. Hierbei ist die Verarbeitungsanleitung auf der Verpackung des VARIO Fugenspachtels unbedingt zu beachten.

Klebefugentechnik

Bei der Klebefugentechnik werden die Platten mit Rigidur Nature Line oder Rigidur Fugenkleber verklebt. Nur absolut gerade Plattenkanten, d. h. werkseitig geschnittene Kanten oder mit einer geführten Tauchsäge geschnittene Kanten sind in Klebefugentechnik zu verarbeiten. Für eine einwandfreie Fugenverklebung sind ausschließlich Rigidur Fugenkleber zu verwenden. Der Fugenkleber wird satt auf die saubere, staubfreie Stirnkante der zuerst montierten Platte aufgetragen, keinesfalls auf die Unterkonstruktion. Die nächste Platte wird gegen den Fugenkleber gedrückt. Der Fugenspalt muss weniger als 1 mm betragen. Beim Zusammenpressen muss der Fugenkleber die gesamte Fuge ausfüllen. Überschüssiger Fugenkleber quillt aus der Fuge heraus und wird nach circa 2 Stunden mit einem Spachtel abgestoßen. Der Verbrauch an Fugenkleber beträgt etwa 15 ml pro Meter Fuge.

Spachtelfugentechnik

Die Platten können auch mit einer Spachtelfuge verarbeitet werden. Die Fugenbreite der montierten Platten muss dabei zwischen 5 bis 7 mm betragen. Um eine einwandfreie Verspachtelung zu erreichen, ist der VARIO Fugenspachtel zu verwenden. Die Fuge wird ausgefüllt und flächenbündig abgezogen. Die Verspachtelung erfolgt ohne Bewehrungsstreifen. Zur Erzielung einer perfekten Wandoberfläche wird nochmals VARIO Fugenspachtel zur Nachverspachtelung eingesetzt.

Wichtige Hinweise und Grundregeln bei der Fugenverspachtelung

Die Fassade muss geschlossen, der Nassestrich eingebracht und Nassputz ausgeführt sein, da anhaltende Feuchte sowohl das Trocknen der Spachtelfuge behindert als auch Fugenquellungen hervorrufen kann. Feucht gewordene Rigidur-Gipsfaserplatten sollten erst nach völligem Austrocknen verspachtelt werden. Gussasphalt-Estrich muss vor der Verspachtelung eingebracht sein, da sonst durch die Wärmeeinwirkung Rissbildungen im Fugenbereich entstehen können.

Verarbeitungshinweise für den VARIO Fugenspachtel

Vorbereitung

  • Boden beziehungsweise Gerüst behinderungsfrei herrichten.
  • Staub von Fugen und Oberflächen entfernen.
  • Oberfläche auf vorstehende Befestigungsmittel überprüfen.

Untergrundbeschaffenheit

  • Der Untergrund muss sauber, fest, trocken, frost- und staubfrei sein.

Anrühren des Materials

Das Anrühren der Spachtelmasse hat großen Einfluss auf das spätere Verhalten bei der Verarbeitung. Folgendes ist zu beachten:

  •  Gefäße, Werkzeuge und Wasser müssen sauber sein!
  •  Keine Zusätze oder warmes Wasser verwenden!
  •  Das Einstreuen des Trockenmaterials in das Wasser erfolgt so lange locker per Hand oder aus dem Beutel, bis die sich auf der Oberfläche     bildenden kleinen      Pulverinseln vom Wasser durchfeuchtet werden. 3 Minuten sumpfen lassen. Hierdurch wird die Entstehung von Klumpen   vermieden und die richtige    Konsistenz erreicht.
  •  Zu klumpenfreier Masse anrühren, kein Pulver nachstreuen, Wasser kann zugegeben werden.
  •  Mischungsverhältnis: 5 kg VARIO Fugenspachtel auf ca. 2,5 l Wasser.

Wichtig:

  • Niemals warmes Wasser verwenden!
  • Bereits versteifendes Material darf nicht mehr verwendet oder durch Wasserzugabe verlängert werden.
  • Die Konsistenz des angerührten Fugenspachtels sollte so sein, dass das Material bei umgedrehter Kelle nicht abrutscht.
  • Nur so viel Spachtelmasse anrühren, wie auch innerhalb der angegebenen Verarbeitungszeit verarbeitet werden kann.

Vorspachtelung

  • Löcher oder Fehlstellen mit Fugenspachtel ausdrücken.
  • Ausdrücken der Quer- und Längsfugen mit Spachtel oder Glättkelle.
  • Schraubköpfe überspachteln.
  • Verspachtelte Fugen und Schraubköpfe abbinden lassen.

Der Fugenspachtel sollte quer zur Fuge eingebracht werden. Dadurch wird ein blasenfreies Verfüllen der Fuge erzielt. Beim Vorspachteln sollten immer zuerst nur die Querfugen verspachtelt werden.

Nachspachtelung

  • Nach dem Abbinden des Fugenspachtels eventuelle Spachtelrückstände der Vorspachtelung abstoßen.
  • Nach dem Austrocknen der Vorspachtelung wird die Nachspachtelung übergangslos aufgetragen. Hierbei sind Ansätze zu vermeiden.
  • Das Nachspachteln kann mit dem gleichen Material wie beim Vorspachteln erfolgen.
  • Etwas dünnere Spachtelmasse in langen Zügen bis zum Nullpunkt ausziehen.
  • Abschließend mit nahezu anliegender Kelle mit einem geraden, schnellen Zug glätten.
  • Die Schraubenköpfe und Schadstellen nachspachteln.
  • Eventuelle Unebenheiten der Verspachtelung sind nachzuschleifen.
  • Folgebeschichtungen dürfen erst nach vollständigem Austrocknen aufgebracht werden.
  • Nicht unter ca. + 5 °C dauerhafte Platten- und Raumtemperatur verarbeiten.

Besonders wichtig: Vor jedem neuen Spachtelgang muss die zuletzt aufgetragene Spachtelung ausgetrocknet sein, da andernfalls Schwindungen (Fuge fällt ein oder ist hohl) auftreten können.

Lagerung des VARIO Fugenspachtels

  • Trocken und frostfrei lagern.
  • Das Material behält 12 Monate seine hervorragenden Eigenschaften.
  • Angebrochene Packungen gut verschließen und innerhalb von drei Monaten aufbrauchen.

Noch einige allgemeine Hinweise:

  • Geräte und Werkzeuge reinigen.
  • Bereits versteifendes Material nicht mehr verarbeiten oder durch Wasserbeigabe verlängern (Gefahr von Fugenrissen).
  • Für die Oberflächenbeschichtung nur Klebstoffe aus Methylcellulose und/oder geeigneten Kunstharzen verwenden!
  • Kleber und Oberflächenbeschichtung auf Eignung prüfen. Für eine rasche Trocknung durch ausreichende Lüftung sorgen. Für weitere Informationen: Merkblatt Nr. 16 „Technische Richtlinien für Tapezier- und Klebearbeiten (2002)”, herausgegeben vom Bundesausschuss Farbe- und Sachwertschutz. 
  • Verpackung erst nach vollständiger Entleerung der Wiederverwertung zuführen! (Interseroh Recycling: 25096)

Praktische Tipps für Ecken und Anschlüsse

Neben der Verspachtelung der Fugen auf der ebenen Wand oder einer Dachschräge gibt es auch Spachtelpunkte, die im Bereich von Ecken oder Anschlüssen an anderen Bauteilen liegen.

Spachtelung von Befestigungsmitteln

Vor Beginn der Spachtelarbeiten ist zu prüfen, ob die Befestigungsmittel richtig versenkt sind. Sobald die Vorspachtelung der Plattenfugen abgeschlossen ist, werden anschließend die Köpfe der Befestigungsmittel vorgespachtelt. Als letzter Arbeitsgang werden im Zuge der Nachspachtelung alle Befestigungsmittel abschließend ebenfalls nachgespachtelt und falls nötig nachgeschliffen.

Eckanschlüsse an Putz etc.

Bei Anschluss an Putz, Beton o. Ä. sollte vor dem Verspachteln der Rigips TrennFix verwendet werden, welcher für eine geradlinig verlaufende Trennung der unterschiedlichen Materialien sorgt. Der sichtbare Teil des Rigips TrennFix wird nach der Verspachtelung entfernt.

Eckanschlüsse bei scharfen / geschnittenen Kanten

Rigidur-Platten mit scharfen / geschnittenen Kanten werden mit circa 5 mm Fugenabstand verlegt. Die Handhabung des Rigips TrennFix erfolgt wie bei den Eckanschlüssen an Putz. Auch hier wird der sichtbare Teil des Rigips TrennFix wird nach der Verspachtelung entfernt.

Wand-Außenecke mit Kantenschutzleiste

Bei vorspringenden Wandecken wird zweckmäßigerweise eine Rigips Kantenschutzleiste (zum Beispiel Rigips AquaBead) eingespachtelt. Für extrem stark beanspruchte Außenecken, zum Beispiel in Kliniken oder Pflegebereichen (Bettentransport), sollte im Zuge der Wandbeplankung ein spezieller, schwerer Rammschutz montiert werden

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