Verarbeitungsrichtlinien Gipsfaserplatten an Wand, Decke, Dach – Teil 14

Oberflächenbehandlung

Bevor näher auf die Oberflächenbehandlung von Gipsfaserplatten eingegangen wird, ein wichtiger Hinweis: Wer als Unternehmer die Endbeschichtung des Untergrundes ausführt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er die Verantwortung für die Prüfung des Untergrundes sowie für die Verwendung der geeigneten Materialien trägt. Oft lohnt sich der Blick ins IGG-Merkblatt Nr. 2.1 „Verspachtelung von Gipsfaserplatten und Oberflächengüten (Q 1 bis Q 4)“. Hier können alle wichtigen Informationen über die Fugenverspachtelung detailliert nachgelesen werden.

Vorbehandlung und Grundierung

Im Rahmen der Vorbehandlung sind unter anderem Mörtelspritzer und Spachtelgrate von der Plattenoberfläche zu entfernen. Die Spachtelstellen müssen trocken und gegebenenfalls gratfrei geschliffen sein. Grundsätzlich müssen die gesamten Plattenflächen, Fugen und Spachtelstellen gleichmäßig trocken sein. Auch sind die Oberflächen gründlich von Staub zu befreien. Da Rigidur-Gipsfaserplatten werkseitig vorgrundiert sind, ist eine zusätzliche Grundierung nur dann notwendig, wenn ein Hersteller das für seine im System gebundenen Produkte fordert oder eine größere Sicherheit für die weitere Verarbeitung notwendig sein könnte, zum Beispiel bei Dünn- oder Strukturputzen, Farbbeschichtungen oder Fliesen.

Ein Tipp von den Rigips-Experten: Für ein gleichmäßiges Saugverhalten der Gipsfaserplatten und der Spachtelfugen empfiehlt es sich, Rikombi Grund entsprechend der Verarbeitungsvorschrift vollflächig aufzutragen, wenn der Farbenhersteller für sein System keine andere Grundierung fordert. Falls eine Grundierung vom Hersteller gefordert ist, ist unbedingt darauf zu achten, dass diese vollständig durchgetrocknet ist, bevor mit der Weiterverarbeitung begonnen wird.

Anstriche

Für den Anstrich der Rigidur-Gipsfaserplatten eignen sich alle handelsüblichen Farben wie zum Beispiel Leimfarbe, Dispersionsfarbe, Dispersionslacke, Ölfarbe, Alkydharzfarbe, Polymerisatharzfarbe, Polyuhrethanfarbe oder Epoxydharzfarbe. Silikonfarbe kann nur mit entsprechendem Voranstrich aufgetragen werden. Nicht geeignet sind Anstriche auf Mineralbasis. Dazu gehören Kalk-, Wasserglas- und Silikatfarben, auch Reinsilikatfarben genannt. Ungeeignet sind auch Nitro-Kombilacke. Bei Lackierungen etc. ist die Fugenverspachtelung immer mit Bewehrungsstreifen herzustellen.

Dispersionsvergütete Silikatfarben (Organo-Silikatfarben, Dispersionssilikatfarben) dürfen nur dann verwendet werden, wenn der Hersteller die Eignung ausdrücklich zusichert und dazu genaue Verarbeitungshinweise gibt. Sofern bestimmte Gebrauchseigenschaften von diesen Farben erfüllt werden müssen (zum Beispiel die Waschbeständigkeit nach DIN EN ISO 11998), sollten diese ausdrücklich zugesichert sein. Um ein sicheres Ergebnis zu erzielen, ist ein Probeanstrich über mehrere Plattenbreiten einschließlich der Fugenbereiche durchzuführen. Damit eventuell auftretende Farbdurchschläge (Vergilbungen) zuverlässig ausgeschlossen werden können, muss grundsätzlich eine sperrende Grundierung aufgebracht werden.

Tapeten und Putz

Gipsfaserplatten eigenen sich für alle Arten von Tapeten inklusive Raufaser. Zum Anbringen sind ausschließlich Kleber auf Basis von Methylcellulose und bzw. oder geeignete Kunstharze zu verwenden. Durch Auftragen von Tapeten-Wechselgrund kann die Tapete bei Erneuerungsarbeiten ohne Befeuchtung im trockenen Zustand von den Rigidur-Platten entfernt werden. Als Tapeten-Wechselgrund eignet sich der Rikombi Grund, der entsprechend der Verarbeitungsvorschriften aufgetragen werden sollte.

Ebenfalls problemlos lassen sich für Gipsbauplatten geeignete Strukturdünnputze auf mineralischer oder kunststoffhaltiger Basis nach Aufbringung einer sperrenden Grundierung gemäß Herstellerangaben auf die Rigidur-Gipsfaserplatten aufziehen. Um eventuell auftretende Rissbildungen zu vermeiden, sollten bei Verwendung von Dünnputzen die Fugenbereiche zuvor mit einem Bewehrungsstreifen nach Herstellerangaben versehen werden.

Fliesen

Rigidur H-Platten sind auch für den Einsatz in häuslichen Bädern geeignet. Bei zur Verfliesung geeigneten Trennwänden (Einfachbeplankung 1 x 12,5 mm) oder bei befestigten Vorsatzschalen hat sich ein Fliesengewicht bis 25 kg/m² in der Praxis als unkritisch erwiesen. Sollten keramische Beläge auf freistehenden bzw. angesetzten Vorsatzschalen oder Trockenputz vorgesehen sein, empfiehlt es sich, das Gewicht der Fliesen auf 15 kg/m² zu begrenzen. Nähere Informationen enthält übrigens das IGG-Merkblatt Nr. 5 „Bäder und Feuchträume im Holzbau und Trockenbau.“ Als Kleber eignen sich flexible Dünnbettkleber, die mittels Zahnspachtel aufgezogen werden. Für die Verfugung sollte Flexfugenmörtel verwendet werden.

Keramische Fliesen (DIN EN 14411), Steinzeugfliesen und Glasmosaik lassen sich problemlos auf Rigidur-Gipsfaserplatten aufbringen. Wird vom Hersteller eine Grundierung vorgeschrieben, ist sie gemäß Verarbeitungsanleitung durchzuführen. Außerdem ist auf eine ausreichende Trocknungszeit zu achten. Zum Verlegen der Fliesen wird der Kleber im Dünnbettverfahren vollflächig aufgetragen und mit einer feinzahnigen Kelle im oberen Bereich horizontal abgekämmt. Verwendet werden können handelsübliche Kunststoffkleber auf Dispersionsbasis oder hydraulisch erhärtende Kleber. Unverspachtelte Rigips-Fugen können mit dem gleichem Material aus- und übergespachtelt werden. Fugen der Fliesenflächen sind mit Fugenmaterial auf Zementbasis zu verfüllen.

Kleber im Dünnbettverfahren werden mit glatter Kelle vollflächig aufgetragen und anschließend mit einer Zahnkelle (5 mm abgeflachte Zähne) Rillen aufgezogen (im oberen Bereich horizontal“. Es muss eine durchlaufende Kleberschicht erhalten bleiben.

Rigips-Tipps für den Badezimmerausbau:

  • Grundierung mit Tiefengrund sowie Dichtkleber.
  • Feuchtigkeitssperrende Dichtkleber verwenden.
  • Durchlässe, Anschlüsse und Ecken mit plasto-elastischem Fugenkitt wasserdicht verschließen.
  • Fungizid eingestellte Sanitär-Dichtungsmassen verwenden.
  • Armaturen erhalten Schraubmanschetten mit hinterlegter Gummidichtung
X