Verarbeitungsrichtlinien Gipsfaserplatten an Wand, Decke, Dach - Teil 1

Das Arbeiten mit den besonders robusten Rigidur-Gipsfaserplatten bietet im Trockenbau viele Möglichkeiten. Hinweise zu ihrer Verarbeitung und ihre Einsatzmöglichkeiten an Wand, Decke und Dach finden sich im Folgenden – zunächst einige allgemeine Informationen.

Lagerung und Transport

Die Gipsfaserplatten sollten auf einer ebenen Fläche, am besten auf einer Palette gelagert werden. Bei der Plattenlagerung ist auf die Tragfähigkeit des Untergrundes zu achten (1 Palette à 70 Stück Rigidur H im Kleinformat wiegt zum Beispiel circa 1,2 t). Nähere Informationen hierzu können dem IGG-Merkblatt Nr 1. „Baustellenbedingungen“ entnommen werden. Platten sind zudem vor Feuchtigkeit (Regen, Schnee) zu schützen und vor dem Einbau auf Umgebungstemperatur zu bringen. Diese darf nicht unter + 5 °C liegen. Schnelles, schockartiges Aufheizen ist dabei zu vermeiden. Eine Beheizung mit Gasbrennern kann zu Kondensatbildung auf den kalten Wandoberflächen führen. Hier ist ein ausreichender Luftaustausch erforderlich. Beim Transport mit Gabelstaplern muss der Gabelabstand mindestens 1 m betragen. Einzelplatten sind hochkant zu transportieren ansonsten werden Rigidur-Gipsfaserplatten mit geeigneten Transportmitteln (Hub- oder Plattenwagen) befördert.

Was tun bei Feuchte?

Sollten die Rigidur-Platten kurzzeitig feucht geworden sein, müssen sie vor der Verarbeitung vollständig durchtrocknen. Zum Trocknen müssen die Platten vereinzelt werden. Bei Hochkantlagerung feuchter Platten besteht die Gefahr einer bleibenden Verformung. Rigidur-Platten und das entsprechende Zubehör, wie zum Beispiel Fugenspachtel oder Ansetzbinder sollten grundsätzlich innerhalb von Gebäuden trocken aufbewahrt werden.

Wichtiger Hinweis zur Gewerkeabfolge

Das Einbringen von Nassestrich, Gussasphalt und Nassputzen sollte vor dem Einbau der Gipsfaserplatten durchgeführt werden. Ist dies in der Gewerkeabfolge nicht möglich, sollte zumindest die Fugenverspachtelung erst nachträglich erfolgen, um Rissbildungen im Fugenbereich zu vermeiden.

Plattenbearbeitung

Rigidur H-Gipsfaserplatten lassen sich problemlos mit den üblichen Holz- und Trockenbauwerkzeugen bearbeiten. Die Platten sollten hierbei auf einer ebenen Unterlage, auf dem Plattenstapel oder auf einem Zuschnitttisch flach aufliegen. Zuschnitte lassen sich einfach mit Handkreissägen, vorzugsweise Tauchsägen mit ausreichender Absaugung, durchführen. Die optimale Drehzahl und die Auswahl des Sägeblattes sind in Abhängigkeit der vorhandenen Säge selbst zu bestimmen. Die Rigidur H-Platten lassen sich ebenfalls mit einem Messer ritzen und auf dem Plattenstapel brechen. Der Einsatz eines speziellen Plattenreißers ist unnötig. Ein handelsübliches Messer mit Abbrechklingen ist völlig ausreichend. Das rückseitige Anritzen der Platten ist ebenfalls nicht erforderlich. Rigidur-Platten lassen sich einfach und leicht bohren, schleifen, raspeln und fräsen. Rundungen werden mit Stichsägen ausgeführt.

Ausschnitte

Ausschnitte, zum Beispiel für Hohlwanddosen oder Rohrdurchführungen, einmessen, anzeichnen und mit dem Hohlwanddosenfräser beziehungsweise Stichling oder der Stichsäge aussparen. Die Aussparung für Rohre und Leitungen sollte mindestens 10 mm größer ausgeführt werden, als der Rohr- beziehungsweise Leitungsdurchmesser ist. Die Zwischenräume sind, gemäß den jeweiligen Hinweisen für Feuchte-/Schall- und Brandschutz zu schließen.

Weitere Verarbeitungs-Hinweise

Rigidur-Platten mit bruchrauen Kanten können nur verspachtelt, nicht aber verklebt werden. Platten, die an den Kanten eine exakte Schnittführung aufweisen, können in Klebefugentechnik verarbeitet werden.

Baustellenbedingungen

Der Ausbau mit Gipsplatten-Systemen steht heute auf einem verarbeitungstechnisch sehr hohen Niveau. Um Fehler zu vermeiden und um beim Ausbau mit Gipsplatten-Systemen Klarheit hinsichtlich baulicher Rahmenbedingungen zu schaffen werden nachfolgende Empfehlungen und Hinweise für den Praktiker gegeben. Diese Aussagen zu Baustellenbedingungen werden gestützt durch die Industriegruppe Gipsplatten im Bundesverband der Gipsindustrie e.V. oder www.gips.de Beplankungen mit Gipsplatten sollten bei länger andauernder relativer Luftfeuchtigkeit von mehr als 80 Prozent im Gebäude nicht durchgeführt werden. Nach der Montage sind Gipsplatten-Systeme vor längerer Feuchtigkeitseinwirkung zu schützen. Innerhalb von Gebäuden ist auch nach Abschluss der Montagearbeiten für eine ausreichende Lüftung zu sorgen. Spachtelarbeiten dürfen erst erfolgen, wenn keine größeren Längenänderungen der Gipsplatten infolge Feuchte- beziehungsweise Temperaturänderungen mehr zu erwarten sind. Für das Verspachteln darf eine Material- und Raumtemperatur von + 5 °C nicht unterschritten werden.

Winterbau

Auch hierbei gilt: Schnelles, schockartiges Aufheizen der Räume ist zu vermeiden, da sonst infolge von Längenänderungen Spannungsrisse entstehen können. Ein direktes Anblasen der Gipsplattenflächen mit Heiß- oder Warmluft ist zu vermeiden. Für ausreichende Be- und Entlüftung ist zu sorgen. Übrigens führen Putz- und Estricharbeiten im Allgemeinen zu einer drastischen Zunahme der relativen Luftfeuchtigkeit. Hierbei ist also immer für eine gründliche und gleichmäßige Lüftung zu sorgen.

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