Spachtel-Praxis: Für die Gestaltung perfekter Oberflächen – Teil 13

Typische Verarbeitungsfehler und Mängel bei der Ausführung sicher vermeiden

In den meisten Fällen stellt sich bei der Begutachtung eines Mangels heraus, dass der Grund hierfür in der Ausführung zu suchen ist. Im Folgenden sind einige typische Verarbeitungsfehler sowie Vorschläge zur Sanierung der entsprechenden Mängel aufgeführt. Grundsätzlich sind bei der Ausführung unbedingt die Rigips Verarbeitungsrichtlinien einzuhalten.

Danach sind prinzipiell folgende Arbeitsabläufe zu beachten:

  • Platten- und Raumtemperatur muss (dauerhaft) mind. + 5 °C betragen.
  • Die Fassade muss geschlossen sein.
  • Formänderungen müssen abgeschlossen sein, z. B.

      – infolge von Feuchtigkeitsänderungen

      – infolge Austrocknung von Zementestrich, Gipsputz

      – infolge von Temperaturänderungen

      – im Eingangsbereich, wenn die Eingangstür immer wieder

  • Der Untergrund muss:

       – fest

       – trocken

       – sauber

       – frostfrei und

       – staubfrei sein.

  • Schraubenköpfe dürfen nicht überstehen.
  • Sauberes Wasser, saubere Gefäße und sauberes Werkzeug sind zu verwenden, da sonst die Produkteigenschaften verändert werden können.
  • Bereits versteifendes Material nicht „verlängern“, da es sonst zu Fugenrissen kommen kann.

Fehler 1: Fehlendes Entstauben und Anfeuchten

Leider wird der Hinweis, dass die nicht kartonummantelten Kanten vor der Verspachtelung entstaubt und angefeuchtet werden müssen, oft nicht ernst genommen. Das Problem: Staub ist ein sehr gutes Trennmittel und verhindert jegliche Haftung. Zudem benötigen Gipsspachtelmassen Wasser für den Abbindeprozess. Wird dieses durch nicht angefeuchtete Schnittkanten zu schnell entzogen, kann die Spachtelmasse im Übergangsbereich nicht abbinden und es kommt zu keiner ausreichenden Haftung. Ein ähnlicher Effekt, entsteht beim Verspachteln von vergilbten Plattenkanten, also falsch gelagerten Gipsplatten (Ligninbildung). Diese sollten nicht mehr eingebaut werden. Die beschriebenen Ausführungsmängel können zu einem geraden Riss führen.

Übrigens: Bei vergilbten Plattenkanten ist selbst bei Verwendung der Rikombi Sperre das Durchschlagen von braunen Flecken nicht völlig auszuschließen!

Rigips-Sanierungsempfehlung

Die Sanierung eines Risses aufgrund von mangelnder Haftung erfolgt in folgenden Schritten:

  1. Altes Material entfernen und die Plattenkanten entstauben
  2. Grundieren (bei vergilbten Plattenkanten Rikombi Sperre verwenden)
  3. Nach Trocknung neu verspachteln

Fehler 2: Falsches Anfasen der Schnittkanten

Werden die Plattenschnittkanten zu flach angefast, kann es im Übergangsbereich

Spachtelbett/Gipsplattenkarton zu einem Riss kommen. Deshalb ist hier die Verwendung von werkseitig angefasten Querkanten oder die Verwendung des Rigips VARIO Kantenhobels unbedingt zu empfehlen.

Rigips-Sanierungsempfehlung

Hier ist bei einer Sanierung wie bei der Verspachtelung eines stumpfen Plattenstoßes zu verfahren:

  1. Mind. 1 mm dickes Spachtelbett vorlegen
  2. Rigips Glasfaserbewehrungsstreifen einbetten
  3. Nachspachtelung durchführen

Fehler 3: Verkürzte Trocknungszeiten

Häufig sind Terminzwänge die Ursache dafür, dass auf eine schnelle, maschinelle Trocknung zurückgegriffen wird, was erheblichen Einfluss auf die Aushärtung der Spachtelmasse hat. Aus diesem Grund kommt es immer wieder zu Spannungsrissen.

Wird nach der Verspachtelung sofort mit der maschinellen Lufttrocknung begonnen, stellen sich zwei Effekte ein:

  1. Der noch nicht ganz ausgetrockneten Spachtelmasse wird das Wasser radikal entzogen, sodass der Aushärtungsprozess gestört wird. Hierdurch wird die Fugenfestigkeit deutlich reduziert.
  2. Die Gipsplatten schrumpfen zwangsläufig und es kommt zu Spannungen zwischen den Gipsplattenkanten (werden auseinandergezogen) und der Spachtelmasse.

Diese beiden Auswirkungen führen häufig zu überspringenden Rissen in der Fuge.

Rigips-Sanierungsempfehlung

Die Sanierung eines Spannungsrisses ist aufwendig. Es gibt hier drei Rigips-Empfehlungen:

  1. Das vollflächige Aufbringen eines Vliesgewebes gem. ATV DIN 18363.
  2. Das Überkleben des Risses mit Rigips Glasfaserbewehrungsstreifen mit Rigidur Nature Line und anschließender Nachspachtelung.
  3. Im Übergangsbereich Kehlbalkenlage/Dachschräge/Drempel das nachträgliche Aufbringen des Rigips Levelline mittels Rigidur Nature Line und anschließender Verspachtelung.

Fehler 4: Fehlende Entkopplung von Bauteilen

Überspringende Risse im Dachgeschossausbau oder Holzrahmenbau entstehen durch unvermeidliche Bewegungen und Spannungen in der Konstruktion, hervorgerufen durch Holztrocknung, Windbelastungen usw.

Rigips-Sanierungsempfehlung

Fehlende Entkopplungen bzw. Dehnfugen können nur durch konstruktive Änderungen an der Wand bzw. Decke behoben werden. Überspringende Risse im Bauteilanschlussbereich lassen meist auf einen konstruktiven Fehler bei der Ausführung der Anschlüsse als gleitende Anschlüsse oder auf eine fehlende Bauteiltrennung schließen. Es ist keine reine Fugensanierung des Risses möglich!

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