Spachtelmassen für das Verspachteln von Gipsplattenfugen sind nach DIN EN 13963 geregelt und unterscheiden sich grundsätzlich nach der Art ihrer Aushärtung und der Art der Anwendung.

Lufttrocknende, kunststoffgebundene Spachtelmassen

Bei den lufttrocknenden, kunststoffgebundenen Spachtelmassen erfolgt das Aushärten des Materials durch Austrocknen: Das Wasser verdunstet und die Füllstoffe verbinden sich mit dem enthaltenen Bindemittel.

Gipsbasierte Spachtelmassen

Bei den abbindenden, gipsbasierten Spachtelmassen erfolgt das Abbinden mittels einer exothermen Reaktion: Nach der Wasseraufnahme bilden sich Kristalle, die ineinander verfilzen bzw. sich verfestigen. Ein Teil des Anmachwassers wird somit in den Kristallen eingelagert.

Art der Anwendung

Hinsichtlich der Anwendung wird zwischen Füll-, Fein- und Fugenspachtel unterschieden. Während der Füllspachtel einzig für das Füllen der Fugen mit geeignetem Bewehrungsstreifen zu verwenden ist, wird der Feinspachtel für das Finish der Fugen bzw. der Oberfläche eingesetzt. Ist die Spachtelmasse für beide Zwecke einsetzbar und entspricht den Anforderungen der DIN EN 13963, bezeichnet man das Material als Füll- und Feinspachtel. Fugenspachtel sind für die Fugenverspachtelung ohne Bewehrungsstreifen an geeigneten Kantenformen von Gipsplatten vorgesehen. Zum Rigips-Sortiment gehörende Fugenspachtel können allerdings auch für die Feinspachtelung eingesetzt werden.

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Wodurch unterscheiden sich gipsgebundene Spachtelmassen?

Unter den pulverförmigen Spachtelmassen, die Gips als Bindemittel enthalten, gibt es im Wesentlichen zwei Typen. Die Unterschiede werden im Folgenden am Beispiel von zwei Rigips-Produkten verdeutlicht:

VARIO Fugenspachtel Typ 4B gem. DIN EN 13963

Der VARIO Fugenspachtel Typ 4B kann auf geeigneten Kanten ohne Bewehrungsstreifen verarbeitet werden und erreicht auch ohne Bewehrungsstreifen sehr hohe Fugenfestigkeiten.

SUPER Fugenfüller Typ 3B gem. DIN EN 13963

Bei der Verarbeitung mit SUPER Fugenfüller Typ 3B ohne Bewehrungsstreifen ist hingegen keine ausreichend hohe Fugenfestigkeit gegeben. In vielen Fällen wären Fugenrisse die Folge. Daher müssen Spachtelmassen dieses Typs immer mit Bewehrungsstreifen verarbeitet werden.

Die beiden beschriebenen Spachtel-Typen unterscheiden sich in zwei entscheidenden Punkten hinsichtlich ihrer Rezepturen:

  1. Das Gipsbindemittel im VARIO Fugenspachtel ist sogenannter Alpha-Gips, das Gipsbindemittel im SUPER Fugenfüller ist sogenannter Beta-Gips.
  2. Der SUPER Fugenfüller enthält nur wenig Kunststoffdispersionspulver als zusätzliches Bindemittel, der VARIO Fugenspachtel deutlich mehr.

Alpha- und Beta-Gips sind chemisch identisch. In beiden Fällen handelt es sich um Calciumsulfat-Halbhydrat. Die beiden Halbhydratarten unterscheiden sich aber in der Herstellungsweise: Beta-Gips entsteht aus Rohgips (Calciumsulfat-Dihydrat) durch Erhitzen bei Atmosphärendruck. Alpha-Gips hingegen entsteht durch Erhitzen des Rohgipses unter erhöhtem Druck in Druckgefäßen (Autoklaven). Durch den viel aufwändigeren Herstellungsprozess sind die Kristalle des Alpha-Gipses sehr viel besser und gleichmäßiger ausgebildet als die des Beta-Gipses. Dadurch benötigt ein Beta-Gips (oder auch eine Spachtelmasse auf Basis von Beta-Gips) beim Anrühren sehr viel mehr Wasser als ein Alpha-Gips oder eine Spachtelmasse auf Alpha-Gipsbasis, um eine verarbeitungsgerechte Konsistenz zu erhalten.

Der Hauptanteil dieses Wassers wird nicht zum Abbinden des Gipses benötigt, sondern trocknet aus der erhärteten Spachtelmasse aus. Überall dort, wo dieses Überschusswasser war, entstehen Poren. Da Spachtelmassen auf Basis von Beta-Gips viel mehr Überschusswasser enthalten als die auf Basis von Alpha-Gips, sind erhärtete und ausgetrocknete Beta-Fugenfüller deutlich poröser und damit weniger dicht als Spachtelmassen auf Alpha-Basis. Und weil porösere Materialien bei gleicher chemischer Zusammensetzung geringere Festigkeiten aufweisen als dichtere, erklärt sich so zum Teil die höhere Fugenfestigkeit beim VARIO Fugenspachtel im Vergleich zum SUPER Fugenfüller.

Der andere Teil der Erklärung ist hauptsächlich dadurch begründet, dass – wie bereits angeführt – Fugenspachtel des Typs VARIO wesentlich mehr Kunststoffdispersionspulver als zusätzliches Bindemittel enthält, wodurch die Fugenfestigkeit nochmals erhöht wird.

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Einordnung nach DIN EN 13963

Die Einordnung nach DIN EN 13963 lässt sich auf den jeweiligen Produktverpackungen nachvollziehen und findet sich im CE-Kennzeichen. Anhand dieser Angabe ist erkennbar, ob es sich um einen Fugenspachtel gem. DIN EN 13963 Typ 4B, der auf den dafür geeigneten Kanten ohne Bewehrungsstreifen verarbeitet werden darf und somit über eine sehr hohe Fugenfestigkeit verfügt, oder um einen Füll- und Feinspachtel gem. DIN EN 13963 Typ 3B handelt, der seine ausreichende Fugenfestigkeit nur in Verbindung mit einem Bewehrungsstreifen erreicht.

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