Raumdesign: Schwungvoll gestalten mit biegsamen Platten – Teil 1

Bereits im Altertum wurden Bögen und Gewölbe als konstruktive Hilfen zur Verteilung statischer Lasten eingesetzt. Gleichzeitig waren sie aber auch wirkungsvolle architektonische und ästhetische Gestaltungsvarianten. Der Wunsch nach mehr Atmosphäre und Wohnerlebnis hat die natürlichen Formen heute wieder in den Fokus vieler privater Immobilienbesitzer und Bauherren treten lassen. Runde fließende Geometrien wie Bögen, gewölbte Decken, Säulen oder geschwungene Wände sind wesentliche Merkmale moderner Architektur.

Biegsame Gipsplatten

Wer auf diese Weise bauen und Wohnraum mit überschaubarem Aufwand gestalten will, benötigt moderne Baustoffe und Systeme, die sich flexibel formen lassen. Innovative Produkte aus Gips sorgen dabei für frischen Wind in der Innenarchitektur. Die Umsetzung von schwungvollen Gestaltungsideen wird durch den Einsatz von biegsamen Spezialgipsplatten wie etwa den Glasroc F 6 Platten von Rigips erleichtert. Mit diesen lassen sich Biegeradien für Wände und Decken mit einem Krümmungsradius von bis zu 600 Millimeter realisieren. Biegungen, bei denen manch anderer Baustoff kapitulieren muss.

Die Glasroc F 6 Platten sind trocken formbar, denn ein integriertes Glasvlies gewährleistet eine überdurchschnittliche Flexibilität bei gleichzeitig hoher Stabilität: Vor der Montage werden die Platten einfach kurz „geschüttelt“, um das eingelegte Glasvlies zu dehnen und die 1,20 Meter mal 2,40 Meter großen Platten biegsam zu machen. Zudem besitzen die Platten eine sehr glatte und ebene Oberfläche, sodass eine vollflächige Verspachtelung nur bei besonderen Lichtverhältnissen und außergewöhnlichen Anforderungen an die Ebenheit des Untergrundes nötig ist.

Im Folgenden werden einige grundlegende Verarbeitungshinweise und Einsatzmöglichkeiten vorgestellt.

Gewölbedecken mit akustischen Eigenschaften

Aufbau:

Unterkonstruktion

  • Grundprofile: Rigips Deckenprofil CD 60/27 gebogen
  • Tragprofile: RigiProfil MultiTec CD 60/27 gebogen
  • Abhänger: Rigips Nonius Abhängesysteme für Schrägzug
  • Profilverbinder: Rigips Kreuzschnellverbinder

Achsabstände der Unterkonstruktion

  • Abhängerabstand x1: ≤ 500 mm bzw. x2 ≤ 900 mm in der Krümmung
  • Achsabstand: Grundprofile y: ≤ 750
  • Achsabstand Tragprofile l: ≤ 300

Beplankung

  • Einlagige Rigitone Big Curve Activ’Air Sixto 63 / Quattro 41 / Line 6

Mineralwolle-Auflage

  • Im Zwischendeckenbereich je nach Anforderung

Verarbeitungshinweise

  • Die erste Abhängerreihe sollte mit einem Mindestabstand von 200 mm von der Wand befestigt sein.
  • Der Abstand des ersten Tragprofils zur Wand sollte nicht größer als 120 mm sein.

Tipps zur Nassbiegung

Zunächst wird eine entsprechende Unterkonstruktion zur Biegung der Rigitone Big Curve Activ’Air-Platten erstellt. Beim Bau der Schablone ist zu bedenken, dass der Radius der Schablone etwas kleiner sein muss, damit der gewünschte Plattenradius erreicht wird. Es ist darauf zu achten, dass der Radius für nass gebogene Platten nicht kleiner als 1.200 mm ist. Das Anfeuchten der Platten erfolgt ausschließlich auf der zu stauchenden Seite mit einem Malerquast oder mit einer Sprühflasche mit sauberem Wasser. Einwirkungszeitraum ca. 3 bis 4 mal 5 Minuten = 15/20 Minuten bis zur Verarbeitung auf der Schablone. Bei der Verwendung von warmem Wasser mit einem Spritzer Spülmittel lässt sich die Einwirkzeit verkürzen. Anschließend sind die zuvor abgelängten Rigitone Big Curve Activ’Air-Platten mit der zu stauchenden Seite nach unten auf die vorgefertigte Schablone zu legen. Die Platten können nun gebogen werden und sollten bis zum Austrocknen auf der Schablone fixiert bleiben. Es können auch mehrere Platten übereinander gestapelt werden. Rigitone Big Curve Activ’Air-Platten komplett trocknen lassen und erst danach vorsichtig von der Schablonenform lösen. Die geformte Platte kann direkt auf die Unterkonstruktion angebracht werden.

Anbringung der Rigitone Big Curve Activ’Air-Platten

Am Plattenstoß der Querkanten sind die Tragprofile im Achsabstand von 150 mm zu montieren. So ist eine einwandfreie Krümmung ohne Versätze am Plattenstoß gewährleistet. Die Rigitone Big Curve Activ’Air-Platten verfügen über abgeflachte Längskanten. Die Querkanten müssen mit einem Messer oder dem VARIO Kantenhobel angefast werden um eine höhere Fugenfestigkeit bei der Verspachtelung zu erzielen. Die Verschraubung der Platten erfolgt mit den Rigitone Big Curve Lochdeckenschrauben mit einem Schraubabstand von 170 mm, die direkt in das CD-Profil eingeschraubt werden. Die Befestigung der Schrauben sollte mit einem Abstand zum Plattenrand von 15 mm erfolgen. Bei der Verschraubung entlang der Querkanten ist von den Plattenecken ein Abstand von 50 mm zu wählen.

Die Schraubenabstände im Bereich von Querstößen sollten grundsätzlich halbiert werden.

Die Rigitone Big Curve Activ’Air-Platten sind über die lange Seite zu biegen. Bei der Anbringung der Platten an die Unterkonstruktion sollten diese mit leichtem Druck angehalten werden. Sie sind von einem Plattenende aus, nach und nach immer in gleicher Richtung laufend, zu befestigen.

Alle Fugen sind mit dem Rigips Papierbewehrungsstreifen und VARIO Fugenspachtel zu verspachteln. Zunächst wird das Fugenbett gefüllt und der Rigips Papierbewehrungsstreifen eingelegt. Nach einer ausreichenden Trocknungsphase kann die Nachspachtelung erfolgen. Bei späterem Schleifen ist darauf zu achten, dass der Papierbewehrungsstreifen nicht beschädigt wird. Schraubenköpfe sind mit Hilfe einer Schraubenkopfschablone zu verspachteln. Der Farbauftrag sollte mit einer kurzhaarigen Lammfellrolle erfolgen, dabei sollten sich die Lochungen nicht mit Farbe füllen. Die Farbe darf nicht mit einem Spitzgerät aufgetragen werden.  

Für eine gleichmäßige Ausformung des Bogens empfiehlt Rigips die Anordnung zusätzlicher Tragprofile an den Plattenenden.

Wichtiger Hinweis: Aus Gründen der Aussteifung können einige zusätzliche Abhänger schräg angeordnet werden.

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