Planung und Ausführung der Oberflächenverspachtelung

 

Als Spachtelmaterial kommen gemäß DIN EN 13963 Füll-, Fein- und gebrauchsfertige Spachtelmassen in Frage. Bezüglich der Wahl des Verspachtelungssystems, insbesondere der Verwendung von Fugendeckstreifen (Rigips Bewehrungsstreifen), sind sowohl die Ausführung (z. B. einlagige oder mehrlagige Beplankung, Dicke der Platten), die Baustellenbedingungen als auch die vorgesehene Oberflächenbehandlung (z. B. Beläge aus Fliesen und Platten, Putze, Anstriche/Beschichtungen) bei der Planung zu berücksichtigen. Je nach gewünschter Oberflächengüte (Q 2 bis Q 4) sind zwischen den einzelnen Arbeitsgängen die erforderlichen Trocknungszeiten zu beachten. Oberflächenbehandlungen (Anstriche, Tapeten) dürfen erst ausgeführt werden, wenn das Spachtelmaterial abgebunden und durchgetrocknet ist. Darüber hinaus ist ein auf den Untergrund und die spätere Beschichtung/Wandbekleidung abgestimmter Grundbeschichtungsstoff (z. B. Grundierung) vom Nachfolgegewerk aufzubringen. Auch bei Nachbesserungen der Verspachtelung, z. B. in Form einer Reparaturspachtelung, ist dies zu beachten.

Bei Tapezierarbeiten ist zu beachten:

• Es dürfen nur Klebstoffe aus Methylcellulose und/oder geeigneten Kunstharzen

verwendet werden.

• Es wird empfohlen, Kleber und Oberflächenbeschichtungen auf ihre Eignung zu

prüfen.

• Das Merkblatt Nr. 16, „Technische Richtlinien für Tapezier- und Klebearbeiten“

(2002), herausgegeben vom Bundesausschuss Farbe- und Sachwertschutz ist zu

beachten.

• Insbesondere nach dem Tapezieren von Papier- und Glasgewebetapeten, aber

auch nach dem Aufbringen von Kunstharz- und Zelluloseputzen, ist für eine rasche

Trocknung durch ausreichende Lüftung zu sorgen.

Ausschreibung

Entsprechend den Ausführungsstufen sind die gewünschte Verspachtelung bzw. der angestrebte Zustand der Oberflächengüte sowie auch die Art der Ausführung festzulegen und vertraglich zu vereinbaren. Sind im Leistungsverzeichnis keine Angaben über die Verspachtelung enthalten, so gilt stets die Qualitätsstufe 2 (Standardverspachtelung) als vereinbart. Die Eignungshinweise für nachfolgende Oberflächenbeschichtungen bezüglich der Qualitätsstufen Q 2, Q 3 und Q 4 sind ausdrücklich als beispielhaft zu verstehen. Im Einzelfall sind bei Planung und Ausschreibung die speziellen Eigenschaften der vorgesehenen Schlussbeschichtung und das Erscheinungsbild im Nutzungszustand zu berücksichtigen. In Verbindung mit der Qualitätsstufe 3 sollten stets Ebenheitstoleranzen vertraglich vereinbart werden. Die immer wieder in Ausschreibungen anzutreffenden Begriffe „malerfertig“, „streichfertig“ oder „oberflächenfertig“ o. Ä. sind in diesem Zusammenhang absolut ungeeignet, um die zu erbringende Leistung zu beschreiben. Es widerspricht dem Prinzip der VOB/A (§ 9 Beschreibung der Leistung, Allgemeines), wonach die Beschreibung der Leistung eindeutig und erschöpfend zu erfolgen hat.

Arbeitsschritte

Vorbereitung

• Boden bzw. Gerüst behinderungsfrei herrichten

• Staub von Fugen und Oberfläche entfernen

• Oberfläche auf vorstehende Befestigungsmittel überprüfen

• Löcher oder Fehlstellen mit Fugenspachtel/Fugenfüller ausdrücken

Anrühren des Materials

Das Anrühren der Spachtelmasse hat großen Einfluss auf ihr späteres Verhalten bei der Verarbeitung.

• Zum Anrühren grundsätzlich nur saubere Gefäße und sauberes Wasser

verwenden.

• Niemals warmes Wasser hinzugeben!

Nur so viel Spachtelmasse anrühren wie auch innerhalb der angegebenen Verarbeitungszeit verarbeitet werden kann.

• Das Einstreuen des Trockenmaterials in das Wasser erfolgt so lange locker per

Hand oder aus dem Beutel, bis die sich auf der Oberfläche bildenden kleinen

Pulverinseln vom Wasser durchfeuchtet werden. Hierdurch wird die Entstehung

von Klumpen vermieden und die richtige Konsistenz erreicht.

• Zu steif angesetzte Masse kann mit Wasser verdünnt werden. In jedem Fall sind die

Verpackungshinweise zu beachten!

Untergrundbeschaffenheit

Der Untergrund muss sauber, trocken, frost- und staubfrei sein.

Verarbeitung

• Nach dem Abbinden des Fugenspachtels eventuelle Spachtelrückstände der

Vorspachtelung abstoßen

• Nach dem Austrocknen der Vorspachtelung wird die Nachspachtelung

übergangslos aufgetragen. Hierbei sind Ansätze zu vermeiden.

• Eventuelle Unebenheiten der Verspachtelung sind nachzuschleifen.

• Folgebeschichtungen dürfen erst nach vollständigem Austrocknen aufgebracht

werden.

• Nicht unter einer dauerhaften Raum- und Plattentemperatur von + 5 °C verarbeiten.

Lagerung

• Trocken und frostfrei lagern

• Angebrochene Gebinde gut verschließen und innerhalb von 3 Monaten verarbeiten.

Bei der Fugenverspachtelung sind folgende Grundregeln zu beachten:

• Die Fassade muss geschlossen, der Nassestrich eingebracht und Nassputz ausgeführt sein, da anhaltende Feuchte nicht nur das Trocknen der Spachtelmasse behindert, sondern auch Fugenquellungen hervorrufen kann.

• Feucht gewordene Rigips-Platten sollten erst nach völligem Austrocknen

verspachtelt werden.

• Gussasphalt-Estrich muss vor der Verspachtelung eingebracht sein, da sonst durch die Wärmeeinwirkung die Fugen reißen können.

• Bei angesetzten Rigips-Platten im Trockenputzverfahren darf nicht sofort verspachtelt werden. Es sollte das vollständige Abbinden und Austrocknen des Ansetzbinders abgewartet werden.

• Quer- und Schnittkanten müssen mit dem VARIO Kantenhobel vor der Montage angefast werden. Wird nicht angefast, muss in jedem Fall mit einem Rigips Bewehrungsstreifen verspachtelt werden.

• Bei hochwertigen Beschichtungen der Rigips-Platten wie z. B. Spachteltechniken, Putze usw. muss ein Bewehrungsstreifen eingespachtelt werden.

• Bei Holzunterkonstruktionen wird ein Bewehrungsstreifen im Querfugenbereich empfohlen.

Fugenverspachtelung im VARIO System

Die Schnittkanten mit dem VARIO Kantenhobel anfasen. Durch die Doppelklinge des VARIO Kantenhobels entsteht eine 2-fach gebrochene Kante. Die Platten werden stumpf ohne Fugenabstand gestoßen. Durch den Einsatz des VARIO Kantenhobels wird eine gleichmäßige Spachtelfuge mit hoher Zugfestigkeit erzielt. Durch leichtes Vornässen werden optimale Fugenfestigkeiten erreicht, da hierdurch mögliche Gipsablagerungen gebunden werden.

Vorspachteln (VARIO System)

Das Ausdrücken der Abflachungsbereiche und Querfugen erfolgt mit Spachtel oder Glättekelle. Der Fugenspachtel wird quer zur Fuge eingebracht (= blasenfreies Verfüllen), die verspachtelten Fugen und Schraubköpfe dann abbinden lassen.

Verwendung von Rigips Bewehrungsstreifen

Rigips Glasfaserbewehrungsstreifen sind geeignet für VARIO Fugenspachtel und Fugenspachtel VARIO 30. Rigips Papierbewehrungsstreifen sind geeignet für VARIO Fugenspachtel. Bewehrungsstreifen werden mit Glättkelle oder Spachtel in die ausgefüllte Fugenmulde eingebettet: bei Wänden oben beginnen, mit angekantetem Spachtel den Rigips Bewehrungsstreifen halten und abrollen (um Blasenbildung zu vermeiden, die noch weiche Einbettung nicht mit zusätzlich frischem Fugenspachtel

überziehen). Die seitliche Kantenoberfläche sollte als Abziehlehre benutzt werden (nicht breit spachteln).

Tipps zur Verspachtelung: Beim Vorspachteln sollten immer zuerst nur die Querfugen verspachtelt werden. Die Verwendung des VARIO Kantenhobels gewährleistet beste Fugenfestigkeiten an der Querkante! Offene Kanten und die Oberfläche sind vor dem Verspachteln vom Baustaub zu befreien (besonders wichtig bei langer Lagerung). Um höchste Fugenfestigkeit zu erreichen, müssen die Kanten von Gips- und Baustaub befreit und unmittelbar vor der Verspachtelung mit einem Schwamm bzw. Pinsel befeuchtet werden.

Spachteln ohne Rigips Bewehrungsstreifen (VARIO System)

Jede bekannte Fugenform ist mit Bewehrungsstreifen und dem dazugehörigen

Fugenspachtel zu verspachteln. Nur folgende Kantenformen können ohne Bewehrungsstreifen mit VARIO Fugenspachtel oder Fugenspachtel VARIO 30 verspachtelt werden:

• VARIO Längskanten (HRAK): halbrunde, abgeflachte, kartonummantelte Kanten

• Querkanten: mit VARIO Kantenhobel angefast

• HRK Längskanten: halbrunde, kartonummantelte Kanten (nur VARIO Fugenspachtel)

Das Spachteln mit dem VARIO Fugenspachtel oder dem Fugenspachtel VARIO 30 ohne Bewehrungsstreifen bietet gleiche Fugenfestigkeiten wie die konventionelle Verspachtelung (SUPER Fugenfüller mit Bewehrungsstreifen). Die Verfugung sollte nicht unter einer dauerhaften Raum- und Plattentemperatur von + 5 °C erfolgen.

Arbeitsgänge

• Vorspachtelung: Fugen mit VARIO Fugenspachtel oder Fugenspachtel VARIO 30 ausdrücken.

• Nachspachtelung: Nach ca. 30 Minuten bzw. 40 Minuten überstehende

Spachtelmasse abstoßen und nach dem Aushärten Nachspachtelung beginnen, bis eine ebene Fläche erreicht ist.

• Bei Bedarf schleifen.

Ein Tipp vom Rigips-Experten: Bei komplexen Deckenkonstruktionen, z. B. mit vielen Ausschnitten etc., die Querfugen mit gefasten Kanten und Bewehrungsstreifen vorsehen.

Fugenverspachtelung im SUPER System

Beim Verspachteln der hier genannten Kantenformen mit dem SUPER Fugenfüller ist grundsätzlich ein Rigips Glasfaserbewehrungsstreifen einzuspachteln. Zum Erreichen höherer Fugenfestigkeit können VARIO Kanten zusätzlich mit Rigips

Glasfaserbewehrungsstreifen in Verbindung mit dem VARIO Fugenspachtel oder Fugenspachtel VARIO 30 verspachtelt werden. Höhere Fugenfestigkeiten werden

bei besonders beanspruchten Flächen z. B. im Bereich von Einbauleuchten in Decken gefordert.

Kantenformen

• Längskanten VARIO (HRAK): halbrunde, abgeflachte, kartonummantelte Kanten

• Kante SK: scharfkantige Kante

• Kante AK: abgeflachte, kartonummantelte Kante

Spachtelsysteme mit Rigips Bewehrungsstreifen

• SUPER Fugenfüller

• Nicht unter einer dauerhaften Raum- und Plattentemperatur von + 5 °C verfugen.

Wichtige Hinweise

Arbeitsgänge bei der Verarbeitung mit Glasfaserbewehrungsstreifen bei Gipsplatten:

• VARIO und AK Plattenlängskanten stumpf stoßen.

• An Plattenquer- oder -schnittkanten ist der Sichtseitenkarton durch Anschleifen zu brechen.

• Fugenbett bilden, an Querkante max. 1 mm dick, an Längskante Abflachung füllen, Bewehrungsstreifen ins Fugenbett einlegen, nicht überspachteln.

• Nach dem Abbinden überstehendes Material abstoßen.

• Nach dem Erhärten wird die Nachspachtelung (SUPER Fugenfüller, ProMix Plus oder VARIO) übergangslos aufgetragen.

Nachspachteln

Erst nach Aushärtung der Vorspachtelung darf weitergearbeitet werden. Das Nachspachteln kann mit dem gleichen Material wie beim Vorspachteln oder mit speziell dafür erzeugten Spachtelmassen wie ProMix Plus oder Rifino Top erfolgen. Die etwas dünnere Spachtelmasse wird in langen Zügen oder die Vorspachtelung mit angewinkelter Glättkelle aufgetragen und nach rechts oder links auf der Kantenoberfläche bis zum Nullpunkt ausgezogen. Zum Schluss mit nahezu anliegender Kelle mit einem geraden, schnellen Zug glätten, die Schraubenköpfe und Schadstellen anschließend nachspachteln. Bei anspruchsvollen Oberflächen werden die ausgetrockneten Verspachtelungen nachgeschliffen.

Wichtiger Hinweis: Vor jedem neuen Spachtelgang muss die zuletzt aufgetragene Spachtelung ausgetrocknet sein, da andernfalls Schwindungen (Fuge fällt ein oder ist hohl) auftreten können.

 

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