Neue Kenngrößen für den baulichen Schallschutz?

Anforderungen an den baulichen Schallschutz können durch unterschiedliche Kenngrößen beschrieben werden. In Deutschland wird zumeist das (Bau-) Schalldämmmaß erf. R’w zur Kennzeichnung der Anforderungen an die Luftschallübertragung herangezogen. Die Anforderungen richten sich somit an das trennende Bauteil. Die internationalen Bewertungsnormen der ISO 717 kennen darüber hinaus noch weitere Kenngrößen, die entweder auf die äquivalente Absorptionsfläche oder die Nachhallzeit bezogen sind. Die Schallübertragung in Gebäuden kann außer durch R’w und L’n,w auch mit anderen Einzahlangaben, z. B. den „nachhallzeitbezogenen“ Größen DnT,w und L’nT,w, gekennzeichnet werden.

Die VDI 4100 gibt Empfehlungen für erhöhten Schallschutz und nennt hierfür die Kennwerte für die „nachhallzeitbezogenen“ Größen. Damit steht gegenüber der auf das Trennbauteil bezogenen Schalldämmung nach DIN 4109 der Schallschutz in den Aufenthaltsräumen im Vordergrund der Betrachtung. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der DIN 4109 und der VDI 4100 liegt in der Definition der Kennwerte:

DIN 4109 – Schalldämmwerte

• Für den Luftschall das bewertete Bau-Schalldämmmaß R’w

• Für den Trittschall der bewertete Norm-Trittschallpegel L’n,w

• Für gebäudetechnische Anlagen der maximale Schalldruckpegel LAF,max,n

VDI 4100 – Schallschutzwerte

• Für den Luftschall die bewertete Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w

• Für den Trittschall der bewertete Standard-Trittschallpegel L’nT,w

• Für gebäudetechnische Anlagen der maximale Standard-Schalldruckpegel LAFmax,nT

Die unterschiedlichen Anforderungswerte lassen sich nicht unmittelbar miteinander vergleichen, können jedoch ineinander umgerechnet werden. Die erforderlichen Schalldämmmaße sind die wichtigsten Kenngrößen für den Planer zur Auswahl der entsprechenden Systeme. Die Umstellung von der bauteilbezogenen Schalldämmung auf einen raumbezogenen Schallschutz ist nicht nur eine formale Umstellung auf neue Kenngrößen, sondern erfordert auch eine veränderte Betrachtungsweise der Schallschutzaufgabe:

Schalldämmung dient der Minderung der Schallübertragung zwischen Räumen oder zwischen dem Außenbereich und Räumen durch Bauteile und durch Maßnahmen an Bauteilen und sonstigen Schall übertragenden Elementen. Für die Schalldämmung ist maßgebend, mit welchen Konstruktionen und welchen Baustoffen die Anforderungen erfüllt werden können. Die Anordnung der Räume zueinander und ihre Größe bleiben hierbei weitgehend unberücksichtigt, weil die Schalldämmung richtungsunabhängig ist.

Schallschutz hat in Gebäuden Bedeutung für die Gesundheit und das Wohlbefinden der sich darin aufhaltenden Menschen und ist als ein unabhängiges Qualitätsmerkmal anzusehen. Zum Schallschutz gehören alle Maßnahmen zur Verminderung der Geräuschübertragung. Für den Schallschutz sind die Wechselwirkungen zwischen Räumen (Richtungsabhängigkeit des Schallschutzes), die Größe der Trennbauteile, die raumakustischen Aspekte, die Nachhallzeit und die

Raumvolumina wichtig. Der auf den Menschen resultierend einwirkende Schallpegel ist je nach Grundriss unterschiedlich und führt in kleinen Räumen bei gleichwertiger Schalldämmung zu einer Verschlechterung des Schallschutzes im Vergleich zu großen Räumen.

Mit dem Rigips Schallschutz-Rechner 2.0 können sowohl Schalldämm- wie auch Schallschutz-Kenngrößen für individuelle Raumgeometrien ermittelt werden. Gehen Sie dazu einfach auf www.rigips.de/schallschutz-rechner.

Eine Bausituation kann nicht für alle Geräuscharten den gleichen Schallschutz bieten. Geräusche erzeugen im Wesentlichen Informationen, die Mitmenschen empfangen und verarbeiten. Diese Informationen können angenehm oder störend sein; ein dB-Wert bildet das nur bedingt ab. Die Toleranzbreite der Unsicherheit im Schallschutz beträgt in der Regel mehrere dB und lässt die scheinbar genau markierten Grenzen in Form von Schallschutzstufen in der Praxis verschwimmen.

DEGA-Empfehlung 103: Schallschutz im Wohnungsbau – Schallschutzausweis

Mit der von der Deutschen Gesellschaft für Akustik e. V. (DEGA e. V.) im März 2009 veröffentlichten DEGA-Empfehlung 103, „Schallschutz im Wohnungsbau – Schallschutzausweis“, wurde ein neues, mehrstufiges Konzept entwickelt. Die gegenüber bisherigen Systemen neue und zugleich wesentliche Zielsetzung dieses Konzepts ist die Schaffung eines mehrstufigen Systems zur Kennzeichnung des baulichen Schallschutzes zwischen Raumsituationen unabhängig von der Art des Gebäudes. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, mittels eines Punktesystems einen Schallschutzausweis zur Kennzeichnung des Schallschutzes von Wohneinheiten zu erstellen.

Die DEGA-Empfehlung definiert sieben Schallschutzklassen mit dem Ziel, Wohneinheiten nach der Güte ihres Schallschutzes zu kennzeichnen. Der Begriff „Wohneinheit“ wird dabei als allgemein übergreifender Begriff für Wohnungen in Mehrgeschosshäusern sowie für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser verwendet. Für die Klassifizierung werden die Kriterien folgender Geräuscharten in den jeweils betrachteten Wohneinheiten berücksichtigt:

• Luft- und Trittschall aus fremden Wohneinheiten oder Treppenhäusern

• Außengeräusche

• Geräusche von Wasserinstallationen aus fremden Wohneinheiten

• Geräusche von gebäudetechnischen Anlagen (hierzu zählen auch Heizungs- und Lüftungsanlagen im eigenen Wohnbereich)

• Nutzergeräusche durch Körperschallübertragung aus fremden Wohneinheiten

• Luft- und Trittschall im eigenen Wohnbereich

• Geräusche von Wasserinstallationen im eigenen Wohnbereich

Die DEGA-Empfehlung unterscheidet nicht zwischen Bauteilen wie z. B. Wohnungstrennwänden oder Trennwänden im eigenen Wohnbereich. Für den Verbraucher eröffnet sich so die Möglichkeit, spätere Diskussionen, Ärger und Streit zu vermeiden, indem der gewünschte Schallschutz mit Bezug auf die im DEGA-Schallschutzausweis beschriebenen Stufen schriftlich vereinbart wird.

Die DEGA-Empfehlung 103 wurde als Planungs- und Bewertungsinstrument für den erhöhten Schallschutz mit dem Ziel konzipiert, diesen in einem mehrstufigen Konzept bewerten zu können. Für die Empfehlungen der Einstufung für die unterschiedlichen Schallübertragungen werden in der DEGA-Empfehlung die Schalldämmwerte (R’w) und nicht die nachhallzeitbezogenen Schallschutzwerte (DnT,w) verwendet.

In dem System der Anforderungen finden sich heute übliche Bauweisen und auch die bauaufsichtlich eingeführten „Mindestanforderungen“ der DIN 4109 wieder. Das Anforderungsniveau der DIN 4109-1 entspricht im Wesentlichen der Klasse „D“ der DEGA-Empfehlung 103.

 

 

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