Massive Bauteile mit Vorsatzschalen

Vorsatzschalen sind keine eigenständigen Bauteile, sondern werden zur Erhöhung der Schalldämmung oder zur Verbesserung der Raumakustik vor massive Wände montiert. Massive Wände mit Vorsatzkonstruktionen (z. B. freistehende Vorsatzschalen) gelten physikalisch daher als mehrschalige Konstruktionen. Weil sich die Schallschwingungen der Wand nur abgeschwächt über die Luft im Hohlraum auf die Beplankung der Vorsatzschale übertragen, kann der Schallschutz einer bestehenden Massivwand durch freistehende Vorsatzschalen verbessert werden. Im festgelegten Berechnungsverfahren für die Luftschallübertragung nach DIN 4109-2 kann die Schalldämmung einer Massivwand mit Vorsatzschale aus den Eigenschaften der Massivwand und der zusätzlichen Verbesserung ΔRw der Vorsatzkonstruktion ermittelt werden. Die Wirkung der Vorsatzkonstruktionen (ΔRw) kann z. B. nach DIN 4109-34 berechnet werden. Die Verbesserungsmaße guter Vorsatzschalen betragen ca. 10 dB bis 20 dB, abhängig von der Schalldämmung der massiven Bezugswand. Je höher die Schalldämmung der Rohwand, desto geringer ist die mögliche Verbesserung durch eine Vorsatzschale. Zur Beurteilung des Schallschutzes einer biegeweichen freistehenden Vorsatzschale gilt als Kennzahl die Resonanzfrequenz f0. Eine Vorsatzschale verändert den Frequenzgang einer Massivwand. Während die Schalldämmung einer Massivwand nur mäßig mit der Frequenz ansteigt, erreicht eine Massivwand mit Vorsatzschale schon bei mittleren und hohen Frequenzen sehr hohe Schalldämmmaße. Verbesserungsmaße für freistehende Vorsatzschalen mit mind. CW 50-Metallprofilen und einer Beplankung von mindestens 12,5 mm Rigips Bauplatte RB können überschlägig nach folgender Gleichung berechnet werden, da ihre Resonanzfrequenz f0 unter 80 Hz liegt:

ΔRw = 36 - Rw / 2 in dB

Dabei beschreibt Rw das Schalldämmmaß der massiven Bezugswand. Der Berechnungsansatz setzt voraus, dass die Vorsatzschale durch das trennende Bauteil vollständig unterbrochen wird.

Schachtwände

Schachtwände werden zumeist als raumbegrenzende Brandschutzbekleidungen für Installationsschächte eingesetzt. Gelegentlich werden Aussagen zur Schalldämmung von Schachtwänden hinsichtlich der Dämmwirkung von Installationsgeräuschen aus dem Schacht gefordert. Baupraktisch ist es häufig so, dass Installationsschächte geschossübergreifend erstellt werden. Hinsichtlich der Schalldämmung der Geräusche aus dem darüber- oder darunterliegenden Geschoss wirken die Schachtwände dementsprechend „doppelt“, weil der Schall aus dem einen Geschoss in den Schacht hinein- und in dem anderen Geschoss aus dem Schacht heraus muss. Somit werden hier de facto höhere Dämmwerte, ähnlich Doppelständerwänden, erzielt.

Metallständer- und Massivwände im Vergleich

Metallständer- und Massivwände verhalten sich schalltechnisch unterschiedlich. Während eine Massivwand möglichst schwer sein muss, um eine gute Schalldämmung zu erreichen, wird die Schalldämmung einer Montagewand

in Trockenbauweise von verschiedenen Faktoren beeinflusst:

• Flächenbezogene Masse der Beplankung

• Biegesteifigkeit der Beplankung

• Abstand der Beplankungen (Schalenabstand)

• Hohlraumdämmung

• Profil (Blechdicke, Geometrie und Ständerabstand)

Die Schalldämmung einer Trockenbauwand ist geprägt durch ihre Resonanzfrequenz und Koinzidenzfrequenz. Die Resonanzfrequenz wird hauptsächlich durch den Abstand der Beplankungen (Hohlraumtiefe) beeinflusst und befindet sich im tieffrequenten Bereich. Sie liegt bei Konstruktionen mit einem Schalenabstand von 50 mm bis 100 mm unterhalb von 100 Hz. Die Koinzidenzfrequenz hängt von der Biegesteifigkeit der Beplankung ab. Sie bewirkt einen Einbruch der

Schalldämmung im hochfrequenten Bereich. Dieser liegt bei den Gipsplatten etwa bei 3150 Hz. Eine optimale Gipsplatte für den Schallschutz weist eine hohe flächenbezogene Masse und eine geringe Biegesteifigkeit auf wie z. B. die Schallschutzplatte Rigips Die Blaue oder die Allzweckplatte Rigips Die Harte.

Beim Direktvergleich der Schalldämmung massiver Bauteile mit Rigips-Wänden wird deutlich, dass mit der leichten Bauweise eine deutlich geringere Wanddicke ausreicht, um identisch bewertete Schalldämmmaße (Rw) zu erreichen. Damit können wertvolle Wohn- und Arbeitsflächen gewonnen werden.

Verbesserung der Körperschalldämmung von Bauteilen

Bei zunehmender Ausstattung der Gebäude mit Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung können die dadurch entstehenden Geräusche von den Bewohnern zunehmend als störend empfunden werden. Diese Störgeräusche

können durch Körperschall und Luftschall übertragen werden.

Die Körperschallübertragung von der Geräuschquelle zum Empfangsraum besteht aus Anregung, Weiterleitung und Abstrahlung. Die Schallquelle leitet die Schwingungsenergie direkt in den Baukörper ein. Diese wird vom Baukörper

weitergeleitet und abgestrahlt. Durch Maschinen, Geräte und Leitungen werden die angrenzenden Bauteile eines Aufstellraums zu Schwingungen angeregt. Es kommt dabei zu Körperschallanregung durch Wechselkraft und Luftschallanregung durch Abstrahlung.

Körperschall ist der in festen Stoffen (Wänden, Decken, Böden) von einer Geräuschquelle sich ausbreitende Schall, der in einem Empfangsraum als Luftschall wahrgenommen wird.

Die Körperschallübertragung kann durch folgende Maßnahmen verringert werden:

• Ausbildung des unmittelbar angeregten Bauteils als Installationswand

• Vorsatzschale im schutzbedürftigen Raum

• Mehrschalige biegeweiche Wandsysteme mit Hohlraumdämmung

• Ummantelung von Leitungen mit weich federndem Dämmstoff, sofern sie in

Wänden und Massivdecken verlegt werden

Die Körperschallübertragung im Baukörper hängt von der Baukonstruktion ab.

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