Luftschalldämmung massiver Bauteile

Das bewertete Schalldämm-Maß massiver Bauteile kann nach DIN 4109-32 ermittelt werden. Als homogene einschalige Bauteile gelten nach Abschnitt 4.1.4.2 der DIN 4109-32 diejenigen Bauteile, deren Schalldämmung unmittelbar aus der flächenbezogenen Masse ermittelt werden kann. Dies gilt beispielsweise für plattenförmige Bauteile aus Beton, Leichtbeton, Porenbeton, ungelochten Mauersteinen und Gipswandbauplatten sowie für großformatige Fertigteilelemente aus solchen Baustoffen. In Abhängigkeit von der flächenbezogenen Masse m’ges wird das bewertete Schalldämm-Maß Rw für unterschiedliche Baustoffe unter anderem aus den folgenden Beziehungen ermittelt:

Für Beton und Mauerwerk aus Betonsteinen nach DIN V 18153-100, Kalksandstein, Mauerziegel und Verfüllsteine wird das bewertete Schalldämm-Maß Rw wie folgt berechnet:

Rw = 30,9 lg(m’ges) − 22,2 [dB]

Für Mauerwerk aus Leichtbeton wird das bewertete Schalldämm-Maß Rw wie folgt berechnet:

Rw = 30,9 lg(m’ges) − 20,2 [dB]

Für Porenbeton wird das bewertete Schalldämm-Maß Rw nach folgenden Beziehungen berechnet:

a) Für eine flächenbezogene Masse m’ges im Bereich 50 kg/m² ≤ m’ges < 150 kg/m²:

Rw = 32,6 lg(m’ges) − 22,5 [dB]

b) Für eine flächenbezogene Masse m’ges im Bereich 150 kg/m² ≤ m’ges ≤ 300 kg/m²: Rw = 26,1 lg(m’ges/m’0) – 8,4 [dB]

Vorsatzkonstruktion vor massiven Bauteilen

Die DIN 4109-34 „Vorsatzkonstruktionen vor massiven Bauteilen“ behandelt die bewertete Verbesserung des Schalldämm-Maßes ΔRw und die bewertete Trittschallminderung ΔLw von Vorsatzkonstruktionen vor massiven Bauteilen. Vorsatzkonstruktionen im Sinne dieser Norm sind Konstruktionen, bei denen eine Bekleidung über eine Dämmschicht oder eine Unterkonstruktion vor einem massiven Bauteil (Wand, Decke) angebracht wird. Sie verändern die Schalldämmung der massiven Grundkonstruktion. Vorsatzkonstruktionen, die vor massiven Bauteilen angebracht werden, können die Direktschalldämmung und – in Abhängigkeit von den Kopplungsbedingungen an der Stoßstelle – auch die Flankenübertragung verbessern.

Die bewertete Verbesserung der Direktschalldämmung ΔRw in dB ist nach Abschnitt 4.1.2 der DIN 4109-34 abhängig von:

• dem Schalldämm-Maß Rw in dB und der Grenzfrequenz fg des massiven Grundbauteils in Hz sowie

• der Resonanzfrequenz f0 in Hz, des zweischaligen Systems, bestehend aus Grundbauteil und Vorsatzkonstruktion

Für direkt angesetzte Vorsatzschalen ergibt sich für die Resonanzfrequenz f0:

f0 = 160 s ’ ( [Hz] 1m’1 +1m’2 )

Dabei ist s’ die dynamische Steifigkeit s’ der Dämmschicht nach DIN EN 29052-1, in MN/m3; m’1 die flächenbezogene Masse des Grundbauteils, in kg/m2; m’2 die flächenbezogene Masse der Bekleidung der Vorsatzkonstruktion, in kg/m2. Bei freistehenden Vorsatzkonstruktionen, die mit Rigips-Profilen erstellt werden, sodass durch geeignete konstruktive Ausbildung keine körperschallübertragende Verbindung zwischen dem Ständerwerk und dem Grundbauteil besteht und der Hohlraum zu mindestens 80 % mit einem porösen Dämmstoff mit einem längenbezogenen Strömungswiderstand von 5 kPa s/m2 ≤ r ≤ 50 kPa s/m2 nach DIN EN 29053 gefüllt ist. Für diese Ausführungsform berechnet sich die Resonanzfrequenz f0 in Hz:

f0 = 160 [Hz] 0,08 d ( 1 m’1 + 1 m’2 )

Dabei ist d die Hohlraumtiefe, in m; m’1 die flächenbezogene Masse des Grundbauteils, in kg/m2; m’2 die flächenbezogene Masse der Bekleidung der Vorsatzkonstruktion, in kg/m2.

Sicherheitsbeiwert uprog

Mit dem in DIN 4109-2 Abschnitt 4.2 beschriebenen Berechnungsverfahren wird das bewertete Bau-Schalldämm- Maß R’w ermittelt. Im Rahmen des Nachweises muss der errechnete Wert von R’w um den in 5.3.2 (Sicherheitskonzept) in Gleichung (45) festgelegten Sicherheitsbeiwert uprog vermindert werden. Für die vereinfachte Ermittlung der Unsicherheit gilt für die Luftschalldämmung von trennenden Bauteilen im Gebäude: R’w – uprog ≥ erf. R’w [dB]

Mit Ausnahme der Sonderregelung für Türen wird für die Luftschallübertragung im Gebäude und aus der Gebäudeumgebung zum Nachweis der Anforderungen nach DIN 4109-1, Tabellen 2 bis 7 als pauschaler Wert uprog = 2 dB angesetzt. Damit gilt zur Erfüllung der Anforderungen an die Luftschalldämmung von trennenden Bauteilen: R’w – 2 dB ≥ erf. R’w [dB]

Übertragungssituationen mit Trennflächen < 10 m2 oder ohne gemeinsame Trennfläche

In realen Grundrisssituationen kann die gemeinsame Trennfläche zwischen zwei Räumen kleiner als 10 m2 werden, insbesondere bei versetzten Räumen. Bei diagonaler Schallübertragung existiert keine gemeinsame Trennfläche. Mit Bezug auf DIN 4109-1 muss in solchen Fällen die bewertete Norm-Schallpegeldifferenz Dn,w ermittelt werden. Für Raumpaare mit gemeinsamer Trennfläche kann die bewertete Norm-Schallpegeldifferenz Dn,w aus dem bewerteten Bau-Schalldämm-Maß R’w wie folgt berechnet werden:

Dn,w = R’w – 10 lg Ss 10 m2 [dB]

Für Raumpaare ohne gemeinsame Trennfläche (diagonal angeordnete Räume) kann die bewertete Norm-Schallpegeldifferenz Dn,w aus den bewerteten Norm-Flankenschallpegeldifferenzen Dn.Ff,w wie folgt berechnet werden:

Dnw = – 10 lg[Σ2F,f = 110–Dn,Ff,w/10][dB]

Üblicherweise sind bei der diagonalen Raumsituation vier Übertragungswege Ff mit den jeweiligen bewerteten Norm-Flankenschallpegeldifferenzen Dn,Ff,w zu berücksichtigen.

Ermittlung des resultierenden Schalldämm-Maßes R’w mithilfe des Rigips Schallschutz-Rechners 2.0

Ausreichenden Schallschutz sicherzustellen, ist eine ebenso komplexe wie heikle Aufgabe, insbesondere für Planer und Architekten. Abhilfe schafft der Rigips Schallschutz-Rechner 2.0. Die Berechnung der Schalldämmung erfolgt auf Grundlage der in der neuen DIN 4109-2:2016-07 dargestellten Rechenverfahren. Basis ist das europäische Rechenmodell der DIN EN 12354, welches nun in die deutsche Schallschutznorm DIN 4109:2016 eingearbeitet wurde. Die Auswirkung für den Planer: Die einzelnen Schallübertragungswege – insbesondere über die flankierenden Bauteile – werden darin genauer erfasst als im bisherigen Verfahren. Dies bedeutet im Vergleich einen erhöhten Rechenaufwand, der jedoch mit dem „Rigips Schallschutz-Rechner 2.0“ nutzerfreundlich, schnell, transparent und nachvollziehbar zu handhaben ist.

Mit diesem Planungstool kann auf einfache Weise das bewertete Schalldämm-Maß R’w bzw. die bewertete Standard-Schallpegeldifferenz DnT,w von Trennbauteilen wie Rigips-Montagewänden ermittelt werden. Nach der Auswahl des Anforderungswerts werden automatisch die Anforderungen an die Schalldämmung von Wänden erf. R’w angezeigt und mit dem Berechnungsergebnis abgeglichen. Jeder an der Schallübertragung beteiligte Übertragungsweg wird detailliert dargestellt. Somit kann dessen Anteil bzw. der des einzelnen Bauteils an der gesamten Schallübertragung ermittelt werden.

Über eine Farbzuordnung der verschiedenen Bauteile erkennt man den prozentualen Einfluss des einzelnen Bauteils auf das berechnete Schalldämm-Maß direkt. Das kritische Bauteil wird gelb angezeigt, so kann sehr einfach und direkt abgelesen werden, bei welchem Bauteil sich eine Verbesserung besonders auszahlen würde. Während der Planung können damit Schwachstellen in der Schallübertragung erkannt und vermieden werden. Darüber hinaus ermöglicht die Berechnung einzelner Übertragungswege die Planung und Dimensionierung optimaler Schallschutzmaßnahmen. Beim Rigips Schallschutz-Rechner 2.0 handelt sich um ein kostenfrei nutzbares und nahezu selbsterklärendes Berechnungsprogramm zur Prognose der Luftschalldämmung zwischen Räumen bei horizontaler Schallübertragung.  Ergänzend zu dem Berechnungsprogramm steht auch eine „Erste Schritte“-Anleitung zur Verfügung sowie eine Technische Information, die anhand von Beispielen die wesentlichen Änderungen durch die neue Schallschutznorm erläutert.

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