Einbruchhemmung mit Trockenbaukonstruktionen von Rigips – Teil 1

Die „Unverletzlichkeit der Wohnung“ ist ein im deutschen Grundgesetz verankertes Grundrecht, allerdings in vielen Fällen nur im philosophischen Sinne gegeben. Noch immer werden zu viele Ein- und Mehrfamilienhäuser konstruktiv nicht ausreichend wehrhaft gegen Einbruchsversuche errichtet. Das ist umso fataler, als die Zahl der Einbrüche in Deutschland hoch ist. Die Täter verursachen einen Schaden von jährlich vielen hundert Millionen Euro. Experten und Versicherer fordern deshalb vermehrt den Einsatz von Baukonstruktionen, die Einbruchsversuchen möglichst lange widerstehen. Geprüfte Trockenbausysteme bieten hier einen gleichermaßen verlässlichen wie wirtschaftlich zu realisierenden Schutz.

Außer der technischen Ausrüstung zur Objektüberwachung oder Abschreckung trägt also die Baukonstruktion selbst zur Einbruchhemmung beziehungsweise Einbruchsicherheit bei. Im Folgenden wird dargelegt, dass auch der Trockenbau einbruchhemmend ausgeführt werden kann und dem Massivbau in puncto Einbruchsicherheit in nichts nachsteht.

Normierter Einbruchschutz: DIN EN 1627

Um ihren Einbruchschutz bzw. ihre Einbruchsicherheit zu ermitteln, können Bauteile nach europäischen Normen geprüft und klassifiziert werden. Gültig ist hier die Basisnorm DIN EN 1627 Türen, Fenster, Vorhangfassaden, Gitterelemente und Abschlüsse – Einbruchhemmung – Anforderungen und Klassifizierung. Sie beschreibt die einbruchhemmenden Eigenschaften der Bauteile. Die Prüfung zur Einbruchhemmung durch die DIN EN 1627 umfasst jedoch lediglich die einzelnen Bauelemente. Die Bauteile, in welche die Elemente eingesetzt werden sollen, sind in der normierten Prüfung nicht berücksichtigt.

Für Wände liegt demnach keine eigene Prüfnorm hinsichtlich der Einbruchhemmung bzw. Einbruchsicherheit vor. Es gibt zwar Prüfstellen, die Wandbauteile in Anlehnung an die oben genannte Norm auf ihre Leistungsfähigkeit in Sachen Einbruchschutz prüfen, die Klassifizierung erfolgt allerdings zum Teil nach unterschiedlichen Kriterien. Mit Blick auf die Einbruchhemmung von Bauteilen lassen sich die Klassifizierungen somit nicht ohne weiteres miteinander vergleichen.

Einbruchhemmung von Bauteilen: Widerstandsklassen

Die einbruchhemmenden Eigenschaften bzw. der Einbruchschutz von Bauteilen werden durch die Widerstandsklassen beschrieben. Bis zum Jahr 2011 wurde „Widerstandsklasse“ in Deutschland mit WK abgekürzt. Die Einführung der aktuell gültigen Fassung der europäischen Normenreihe führte zur Vereinheitlichung der Bezeichnungen. Während der englische Begriff „resistance class“ in der deutschen Fassung mit Widerstandsklasse übersetzt wird, wird die Kurzbezeichnung der Klassifizierung RC jetzt auch in der deutschen Übersetzung verwendet und nicht mehr wie früher in WK übersetzt.

Die Widerstandsklassen zum Einbruchschutz nach DIN EN 1627

Um ein Verfahren zur Klassifizierung einbruchhemmender Bauprodukte festzulegen, wurden die von Einbrechern angewendeten Angriffsmethoden und die Kriminalstatistiken der europäischen Länder einbezogen. Dabei wurden oft benutzte Werkzeuge den verschiedenen Klassen zugeordnet und in Werkzeugsätze eingeteilt.

Die in der DIN EN 1627 zum Einbruchschutz aufgeführten Widerstandsklassen sollen sowohl die Praktiken von Gelegenheitstätern als auch die von erfahrenen und professionell vorgehenden Tätern umfassen. Die einzelnen Widerstandsklassen verkörpern jedoch kein linear ansteigendes Sicherheitsniveau. Mit dem deutlichsten Sprung zwischen RC 3 und RC 4 zeigt sich ein Wechsel zwischen den beiden Tätergruppen.

In den Widerstandsklassen RC 1 bis RC 3 zum Einbruchschutz sind Einbruchsversuche aufgenommen, die in der Regel von Gelegenheitstätern ausgeübt werden. Diese haben meist keine bestimmte Erwartungshaltung an Art und Menge des Diebesguts. Übermäßige Gewaltanwendung, Lärm und ein unnötiges Risiko werden vermieden, zum Einsatz kommen übliche Handwerkzeuge. Stößt der Einbrecher auf einen hinreichenden Widerstandsgrad, bricht er seinen Einbruchsversuch nicht selten ab, weil sein Risiko mit zunehmender Zeit wächst.

In den Widerstandsklassen RC 4 bis RC 6 zum Einbruchschutz sind erfahrene und professionell vorgehende Einbrecher berücksichtigt. Diese haben ein konkretes Ziel vor Augen und sind genau über das zu erwartende Diebesgut, die anzugreifenden Objekte, Bauelemente und Bauarten informiert. In diesen Fällen handelt es sich in der Regel um organisierte und im Voraus geplante Kriminalität. Lärm ist dabei kein entscheidender Faktor, die Einbruchsmethoden werden der vorhandenen Zeit angepasst.

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