Anforderungen an den Schallschutz

Nach langjähriger Beratung wurde im Juli 2016 eine rundum überarbeitete neue nationale Schallschutznorm, die DIN 4109 „Schallschutz im Hochbau“, herausgegeben. Die neue Fassung besteht aus neun Teilen:

DIN 4109-1: Mindestanforderungen

DIN 4109-2: Rechnerische Nachweise der Erfüllung der Anforderungen

Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog):

DIN 4109-31: Rahmendokument

DIN 4109-32: Massivbau

DIN 4109-33: Holz-, Leicht- und Trockenbau

DIN 4109-34: Vorsatzkonstruktionen vor massiven Bauteilen

DIN 4109-35: Elemente, Fenster, Türen, Vorhangfassaden

DIN 4109-36: Gebäudetechnische Anlagen

DIN 4109-4: Bauakustische Prüfungen

 

Die normativen Mindestanforderungen an den Luftschallschutz von trennenden Bauteilen zwischen Wohn- und Arbeitsräumen (DIN 4109-1) haben sich kaum verändert. Beim Luftschallschutz von Haustrennwänden und beim Trittschallschutz von Decken wurden die Mindestanforderungen gegenüber der alten Norm von 1989 erhöht. Bezüglich der rechnerischen Nachweise wurde die neue DIN 4109 den europäischen Normen des baulichen Schallschutzes, insbesondere der Normenreihe DIN EN 12354, „Bauakustik – Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften“, angepasst. Dazu wurden in DIN 4109-2, „Rechnerische Nachweise ...“, Bestandteile der Normenreihe DIN EN 12354 so zusammengefasst und ergänzt, dass damit der bauordnungsrechtlich geforderte Schallschutznachweis geführt werden kann.

Die in Kapitel 3 des Beiblatts 2 zu DIN 4109:1989-11 aufgeführten „Vorschläge für einen erhöhten Schallschutz“ und die „Empfehlungen für den Schallschutz im eigenen Wohn- oder Arbeitsbereich“ sind bis auf Weiteres gültig! Normativ kann also bereits seit Juli 2016 mit den neuen Mindestanforderungen, Berechnungsverfahren und Bauteilkatalogen geplant werden.

Nach Übernahme der DIN 4109:2016-07 (durch Einführungserlasse der obersten Baubehörden der Bundesländer als Technische Baubestimmung) in das Baurecht der Länder sind ihre Anforderungen öffentlich-rechtlich geschuldet und dürfen nicht unterschritten werden. Damit tragen sie gleichzeitig auch den Charakter von „Mindestanforderungen“, ohne dass damit bereits eine Wertung vorgenommen wird.

Die Anforderungen und Vorschläge der DIN 4109 an das bewertete Schalldämmmaß von Bauteilen werden als erf. R’w angegeben. Das bewertete Schalldämmmaß R’w stellt nach wie vor die wichtigste Einflussgröße für den Luftschallschutz zwischen Räumen dar. Dieser Wert beinhaltet neben der reinen Schalldämmung der Trennwand auch die Schallübertragung über die flankierenden Bauteile sowie Undichtigkeiten usw.

VDI 4100

Aus dem Bedarf an weitergehenden Festlegungen für einen erhöhten Schallschutz heraus wurde 1994 die VDI-Richtlinie 4100 veröffentlicht. Ihr Anspruch ist folgendermaßen beschrieben: „In Ergänzung der Schallschutzanforderungen der Norm DIN 4109, die durch bauaufsichtliche Einführung öffentlich-rechtliche Bedeutung erlangt hat, werden in dieser Richtlinie drei Schallschutzstufen (SSt) für die Planung und Bewertung von Wohnungen definiert. Mit Hilfe dieser drei Gütestufen kann der gewünschte Schallschutz zwischen allen am Bau Beteiligten und den Wohnungsnutzern privatrechtlich vereinbart werden.“

Die Richtlinie VDI 4100:2012 enthält Empfehlungen für einen erhöhten Schallschutz im Sinne der Vertraulichkeit und eines höheren Komforts in Gebäuden mit Wohnungen oder wohnungsähnlichen Räumen, die ganz oder teilweise dem Aufenthalt von Menschen dienen.

Schallschutzstufen

SSt I: Die Schallschutzstufe I beschreibt ein akustisch begründetes Niveau von Wohnungen mit geringem Grundgeräuschpegel, womit Belästigungen in benachbarten Wohnräumen auf ein erträgliches Maß abgesenkt werden.

„Angehobene Sprache aus fremden Nachbarräumen ist im Allgemeinen kaum verstehbar.“

SSt II: Die Schallschutzstufe II ist z. B. bei einer Wohnung zu erwarten, die auch in ihrer sonstigen Ausführung und Ausstattung durchschnittlichen Komfortansprüchen genügt. Für die Schallschutzstufe II sind Werte angegeben, bei deren Einhaltung die Betroffenen, übliche Gegebenheiten der Umgebung vorausgesetzt, im Allgemeinen Ruhe finden und ihre Verhaltensweisen nicht besonders einschränken müssen, um Vertraulichkeit zu wahren. „Angehobene Sprache aus fremden Nachbarräumen ist in der Regel wahrzunehmen, aber im Allgemeinen nicht verstehbar.“

SSt III: Die Schallschutzstufe III ist z. B. bei einer Wohnung zu erwarten, die auch in ihrer sonstigen Ausführung und Ausstattung sowie Lage besonderen Komfortansprüchen genügt. Bei Einhaltung der Kennwerte der Schallschutzstufe III können die Betroffenen ein hohes Maß an Ruhe finden. Geräusche von außen sind kaum wahrzunehmen. Der Schutz der Privatsphäre ist auch bei lauter Sprache weitestgehend gegeben. Die Sprache ist gegenüber SSt II deutlich schlechter zu verstehen. „Sprache mit angehobener Sprechweise ist aus fremden Nachbarräumen nicht verstehbar.“

SSt I

Wohnqualität: Absenkung der Belästigung auf ein zumutbares Maß
Wohnungstyp: Standard

SSt II

Wohnqualität: Bewohner finden im Allgemeinen Ruhe
Wohnungstyp: Komfortansprüche

SSt III

Wohnqualität: Bewohner finden ein hohes Maß an Ruhe
Wohnungstyp: Besonders hohe Komfortansprüche

Die Anforderungen an die Schallschutzstufe III sind in der Regel nur mit hohem technischem und finanziellem Aufwand zu erzielen. Hier empfiehlt es sich bei der Planung, in puncto Wirtschaftlichkeit die Notwendigkeit der jeweiligen Schallschutzstufe abzuwägen.

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