Submitted by Gast (nicht überprüft) on
Kraftwerksumbau mit Systemen aus REA-Gips

Düsseldorf / Berlin – Das Berliner Heizkraftwerk Reuter wurde 1931 unter dem Namen Kraftwerk West in Betrieb genommen. Über Jahrzehnte hinweg war das heute zum Vattenfall-Konzern gehörende Kohlekraftwerk der wichtigste Stromlieferant des westlichen Berlins. Das Berliner Architekturbüro Gruber + Popp wurde 2010 mit der Modernisierung und Neugestaltung der Werkkantine sowie der Entwicklung eines neuen Besucherzentrums inklusive angeschlossener Besprechungsräume beauftragt. Die Wünsche des Bauherrn und die Ideen des Architektenteams führten bei der Wahl des bevorzugten Baustoffes zu einem – dem Kraftwerk ureigenen – Rohstoff: REA-Gips.

Die neuen Räumlichkeiten, unter dem Namen „Casino“ zusammengefasst, entstanden in Halle 3 auf dem Kraftwerksgelände in Berlin-Spandau. Die Kantine des Heizkraftwerks wird täglich von eigenen Mitarbeitern und Mitarbeitern externer Firmen genutzt und bietet darüber hinaus für Versammlungen und Festivitäten bis zu 250 Besuchern Platz bieten.

Casino mit Kraftwerk-Spezifika
Die Anforderungen des Bauherrn an den geplanten Ausbau waren klar formuliert: Die zentral gelegene Kantine sollte als Entspannungs- und Informationsbereich mit bestmöglicher Tageslichtnutzung angelegt sein, die Wegeplanung der täglichen Nutzung optimal entsprechen, die Multifunktionalität der Räumlichkeiten deutlich erweitert werden. Das Besucherzentrum und die Besprechungsräume sollten nach dem Um- und Ausbau genügend und vor allem den modernen Bedürfnissen angepasste Präsentations- und Ausstellungsflächen bieten.

„Und dann gab es noch einige grundlegende Anforderungen an die Nachhaltigkeit der Planung, die für alle Um- und Ausbaumaßnahmen galten“, erinnert sich Architekt Bernhard Popp an die Vorgespräche mit dem Bauherrn. „Neben dem Einsatz ressourcenschonender Baustoffe, der Nutzung möglicher Raumsynergien und einem standortübergreifenden, nachhaltigen Konzept war unseren Auftraggebern vor allem ein Gedanke wichtig: Die Räume im neuen Casino sollten Kraftwerk-Spezifika erkennen lassen, so zum Beispiel durch Einbindung von ,Vintage’-Material aus dem Produktions- bzw. Erzeugungsprozess.“

Servicewand als Rückgrat des Gebäudes
Kernelement des von Gruber + Popp entwickelten architektonischen Konzeptes ist eine lange Wand aus einem durchgehend homogenen Material, die sämtliche Nutzungen des Gebäudes miteinander verbindet. „Im Sinne des von Dorothee Becker entworfenen Möbels ,Uten.Silo’ soll diese Wand als Servicewand unterschiedlichste Aufgaben erfüllen. Dient sie im Eingangsbereich der Auslage etwa von Prospekten sowie variabel nutzbaren Medieneinheiten, beherbergt sie auf der Rückseite die Technik für die Beamer-Präsentationen und ein kleines Vorratslager. Im Kantinenbereich finden sich dort die Vitrinen für Getränke und Speisen sowie die Theken für die Essensausgabe auf der Küchenseite. Auf der Speiseraumseite stützt die Wand brüstungshoch zwei große, je 6,50 Meter breite Schiebetore, die den Küchenbereich außerhalb der Öffnungszeiten verschließen. Aufgrund der hohen Technikdichte in der Decke kam hier eine klassische, abgehängte Glasfaltwand als Abtrennung nicht infrage. Stattdessen setzen wir auf Schiebeelemente, wobei sämtliche Stahleinbauteile zur Befestigung der Tore in der Servicewand verschwinden und unsichtbar werden. Weiter in Richtung Besprechungsraum sind in der Wand Bildschirme und abschließbare Vitrinen für weitere Präsentationstechnik integriert. So wird diese Wand in Kombination mit den Schiebetoren zum Rückgrat des Gebäudes und schafft eine durchgängige Identität zwischen den einzelnen Nutzungsarten“, so Bernhard Popp.

Auf doppeltem Wege nachhaltig
Als Baumaterialien zum Errichten dieser Wand – sowie aller weiteren Wände und Regale – sollten Baustoffe gefunden werden, die höchsten ökologischen Ansprüchen genügen. „Und Materialien, die im optimalen Fall sogar aus dem Kraftwerk selbst stammen – hier findet sich der ,Vintage’-Gedanke wieder“, ergänzt Bernhard Popp. Fündig wurden der Architekt und sein Team in den Hallen der Rauchgasentschwefelungsanlage des Vattenfall-Kraftwerks. Hier nämlich lagert der begehrte REA-Gips („REA“ steht dabei für RauchgasEntschwefelungsAnlage), der als Nebenprodukt der Rauchgasreinigung in Kohlekraftwerken entsteht. In dem so genannten Nasswaschverfahren der kraftwerkeigenen Rauchgase entsteht hochreiner Gips, der chemisch dem Naturgips entspricht. Baustoffe, die auf REA-Gips basieren, sind damit gleich auf doppeltem Wege nachhaltig: Sie nutzen die baubiologisch einzigartigen Eigenschaften des Gipsmaterials, schonen gleichzeitig aber die natürlichen Gipsvorkommen der Erde.

„Nimmt man noch hinzu, dass Gips exakt die Farbe besitzt, die in unser gastronomisches Gestaltungskonzept im Casino passt, lag die Entscheidung nahe, den gesamten Innenausbau mit Gips- und Gipsfaserplatten umzusetzen. Und mit der Verwendung von Produkten und Systemen von Rigips kamen wir tatsächlich einer der Hauptforderungen des Bauherrn nach. Rigips verwendet unter anderem den hier im Kraftwerk anfallenden REA-Gips für die Herstellung seiner Produkte“, so Bernhard Popp.

Robuste Oberflächen mit Gipsfaserplatten
Mit der verwendeten „Rigips Hybrid GF Top“-Lösung setzte das Architektenteam vor allem auf ein äußerst robustes Wandsystem: Auf einer Unterkonstruktion (UA-Profile 100) wurde zunächst eine Lage aus „Rigips Bauplatten RB“ (12,5 mm) montiert. Darauf folgte eine Lage aus 12,5 mm dicken „Rigidur H“-Gipsfaserplatten, die dank ihrer enormen Festigkeit und hohen Oberflächenhärte einen wirksamen Schutz gegen Kratzer und Stoßbelastungen bieten und gleichzeitig eine optimale Lastabtragung für schwere, an der Wand befestigte Gegenstände gewährleisten.

Gegenüber vergleichbaren Konstruktionen aus zwei Lagen Gipsfaserplatten können die Materialkosten und die Montagezeit durch den Einsatz von „Rigips Hybrid GF Top“ erheblich reduziert werden, ohne dass nennenswerte Leistungsverluste etwa beim Brand- oder Schallschutz auftreten: Mit einer geprüften Feuerwiderstandsklasse von F 90 und einem Schalldämmwert von Rw,R bis 54 dB erfüllt das Wandsystem auch gehobene Anforderungen.

Für schwere Lasten bestens gerüstet
„Die Regale selbst entstanden aus der UA-Unterkonstruktion, sämtliche Nischen, Kragarme etc. sind aus UA-Profilen erstellt und wurden dann im Ganzen mit dem Hybridsystem bekleidet. Die Wand ist also nicht nur optisch mit dem ,Uten.Silo’ zu vergleichen, sondern auch technisch. Eine der wichtigsten Anforderungen ergab sich aus der Vielseitigkeit der Belastung: In einem Bereich sind Monitore befestigt, daneben befindet sich eine Prospektablage, dann kommt die Essenausgabe und so fort. All diese unterschiedlichen Nutzungen der Wand als Möbel sollten mit einer kostengünstigen und technisch unkomplizierten ,Allround-Lösung’ umgesetzt werden. Die Kombination von UA-Profilen – hoch belastbar und zur Aufnahme hoher Konsollasten fähig – und Gipsfaserplatten, ebenfalls äußerst robust und belastbar sowie von hervorragender Oberflächenqualität, wurde diesen Anforderungen mehr als gerecht. So entsprachen die Oberflächen der „Rigidur H“-Platten bereits werkseitig Q 3“, so Bernhard Popp.

Geschlossener Kreislauf
Neben der durch ihre eigene Formgebung bestechenden Servicewand dienen transluzente grüne Infoboxen als weitere „Eyecatcher“ im Casino – natürlich ebenfalls streng funktional in ihrer Nutzung und nachhaltig in den verwendeten Materialien. „Für die Infoboxen haben wir ein neu entwickeltes Kunststoffmaterial verwendet: Die leichten, aber trotzdem extrem biegesteifen Sandwichpaneele basieren auf einer speziellen Wabenkonstruktion und bestehen zu einem großen Teil aus recyceltem PET. Die Mitarbeiter des Kraftwerks und die Besuchergruppen profitieren auf den ersten Blick einfach von modernen und optimal nutzbaren Räumlichkeiten zur Entspannung und Information. Auf den zweiten Blick aber – und der ist für jeden, der sich auch nur annähernd mit dem Entstehen und der Wandlung von Gebäuden auseinandersetzt, mindestens genauso interessant – offenbart sich ein geschlossener Kreislauf. Der bei der Strom- und Wärmeerzeugung angefallene Gips ist ,nach Hause’ zurückgekehrt und dient nun – nicht nur im übertragenen Sinne – erneut den Mitarbeitern und Gästen des Hauses“, fasst Bernhard Popp noch einmal die konzeptionellen Gedanken seines Teams zusammen.

Bautafel
Bauherr: Vattenfall Europe Wärme AG
Architekt: Gruber + Popp Architekten BDA, Berlin
Ausführendes Unternehmen: Schmohl & Sohn GmbH, Berlin
Objektberater Trockenbau: Mario Heß und Jürgen Scheibe, Saint-Gobain Rigips GmbH

Casino Kraftwerk Reuter
Die umfassend neu gestaltete Kantine mit angeschlossener Küche: Auch hier stellt sich die vom Architektenteam entworfene Servicewand ganz in den Dienst der Raumnutzung – als Vitrinen für Getränke und Speisen sowie als Theke für die Essenausgabe.

 

Casino Kraftwerk Reuter

Alle Wandflächen im neuen Casino wurden aus Gips- und Gipsfaserplatten von Rigips hergestellt. Der Ausbau-Profi verwendet für die Herstellung seiner Produkte und Systeme unter anderem hochwertigen REA-Gips aus dem Kraftwerk Reuter.

 

Casino Kraftwerk Reuter

Die Halle 3 des Berliner Heizkraftwerks Reuter West: Neben einer neu gestalteten Kantine als Entspannungs- und Informationsbereich für Kraftwerkmitarbeiter entwickelte das Architekturbüro Gruber + Popp moderne Besucher- und Besprechungsräume.

Rigips – Der Ausbau-Profi
Der Ausbau-Profi Saint-Gobain Rigips GmbH bietet vielfältige Systemlösungen inklusive aller hierfür benötigten Komponenten für den modernen, trockenen und designorientierten Innenausbau. An insgesamt 11 Standorten in Deutschland entwickeln, produzieren und vermarkten über 850 Mitarbeiter neben Gipsplatten sowie Gipsfaserplatten, Zubehöre und EPS-Dämmstoffe für die Anwendung in und an Gebäuden sowie für diverse Spezialanwendungen. Die Saint-Gobain Rigips GmbH ist damit der kompetente Partner für moderne und nachhaltige Innenausbau- und Designlösungen sowie für hochwertige Systeme im Schallschutz, im Brandschutz, in der Wärmedämmung und im Akustikbereich. Rigips gehört zu den führenden Marken für moderne Innenausbaulösungen im deutschen Markt und ist Teil des Saint-Gobain-Konzerns. Saint-Gobain ist eines der 50 größten Industrieunternehmen weltweit. Rund 195.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 64 Ländern erwirtschafteten in 2011 einen Umsatz von 42,1 Mrd. Euro.