Trockenbauarbeiten im historischen Preußenflügel der Folkwang Hochschule in Essen
Die Jaeger Akustik GmbH, Trockenbauspezialist aus Dortmund ist regelmäßiger Teilnehmer am renommierten Wettbewerb für das Ausbaugewerbe, der Rigips Trophy. Das Unternehmen verantwortete auch die Ausführung aller Trockenbauarbeiten in einem ganz der Kultur gewidmeten Gebäude. Im historischen Preußenflügel der Folkwang Hochschule in Essen sorgte das Team um Bauleiter Marco Schünzel für die sachgerechte Verarbeitung zahlreicher Brandschutzkonstruktionen, Akustikdecken und Vorsatzschalen.
Seit 1946 ist die europaweit renommierte Folkwang Hochschule in der um 799 als Benediktinerkloster gegründeten Alten Abtei in Essen-Werden beheimatet. Zwischen 1852 und 1854 entstand ein Anbau der Abtei, der im Volksmund als „Preußenflügel“ bezeichnet wird und ebenfalls nach dem 2. Weltkrieg der Hochschule zur Verfügung gestellt wurde. Lange Jahre diente er als Aula für viele der rund 300 Veranstaltungen, die die Hochschule pro Jahr ausrichtet.
Wie groß die Verbundenheit der Menschen in Essen mit diesem Gebäude ist, bekam die Stadt zu spüren, als sie 1988 nach dem Bau einer neuen Aula den Abriss des Preußenflügels erwog: Studierende, Professoren, Künstler und die Werdener Bevölkerung setzten sich damals in einer beispiellosen Aktion für seinen Erhalt ein. 677 Stunden Non-Stop-Kultur, 300 Künstler und über 30.000 Besucher überzeugten die Stadt und retteten die alte Aula.
Neue Heimat für Klassik und Moderne
Neben der Alten Aula und den dazugehörigen technischen Einrichtungen beherbergt der sanierte Preußenflügel auch Holz- und Metallwerkstätten, Übungs- und Unterrichtsräume. Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt 3,9 Mio. Euro, die gemeinsam von Bund und Land finanziert wurden. Der historische Dachstuhl über der Aula, der wegen seiner Holzschäden nicht zu erhalten war, wurde exakt rekonstruiert, die Gewölbe des Kellers frei gelegt und zu Proberäumen ausgebaut. In den Innenwänden des heutigen Foyers, die für die neue Nutzung entfernt werden sollten, fanden sich verzierte gusseiserne Stützenkonstruktionen aus dem 19. Jahrhundert, die erhalten werden sollten und konnten.
Übungsräume im historischen Gewölbe
„Die Besonderheit und der Reiz der Bauaufgabe für das Team von Jaeger Akustik bestand darin, die Bedürfnisse der anspruchsvollen Studiengänge der Folkwang Hochschule mit dem Erhalt der historischen Substanz in Einklang zu bringen“, erinnert sich Rigps-
Systemberater Ulrich Klocke, der in den Planungsprozess involviert war. Im Untergeschoss etwa sollten unter den frei gelegten, historischen Gewölben erstmalig Übungsräume für Musiker eingerichtet werden. Je nach geplanter Belegung wurden dort gebogene oder gerade Rigiton-Akustikdecken montiert und abgehängt, deren filigrane Lochbildstrukturen in interessantem Kontrast zum massiven Mauerwerk der Wände stehen.
Bei der Montage von Vorsatzschalen in den Übungsräumen wurden starre Verbindungen der Metallunterkonstruktion zum Mauerwerk durch das Aufkleben von 1 cm starken Mineralwollplattenstreifen verhindert. Beplankt wurde doppelt mit 12,5 mm GK-Bauplatten, gedämmt mit Mineralwollplatten. In zwei für Schlagzeuge vorgesehenen Räumen wurden zusätzlich 62 m2 Schallabsorptionswände montiert. Hierfür wurde eine Unterkonstruktion mit Rigips-Wandprofilen CW 50 und UW 50 erstellt. Die Beplankung erfolgte mit schallabsorbierenden Holzelementen.
Brandschutz im Baudenkmal
Besonderes Augenmerk musste im gesamten Gebäude auf den baulichen Brandschutz gelegt werden. Die Flurwände wurden mit Vorsatzschalen in Feuerwiderstandsklasse F 30 geschützt, hinter denen das massive, historische Ziegelmauerwerk verschwand. Die Vorsatzschalen wurden bis dicht an den Estrich und unter die Holzbalkendecken bzw. Trapezbleche geführt. Die danach eingebrachten GK-Unterdecken wurden nach Rigips-System Nr. 5.60.02 seitlich an die Massivwände und Vorsatzschalen in Teilbereichen angeschlossen. Vorhandene Holzbalkendecken sowie die Bekleidung der Dachschrägen und aller tragenden Wände, der Wände des Foyers, der Elektrotechnikräume, Lagerräume und Werkstätten wurden von Jaeger Akustik fachgerecht in F 90-Qualität geschützt. Echte Herausforderungen warteten auf das Team um Bauleiter Marco Schünzel beim Ausbau des Foyers und der Aula.
Durchdringung von Brandschutzdecken
In der Aula und in einigen Übungsräumen wurden zunächst vollflächig insgesamt rund 735 m2 F 90-
Brandschutzdecken eingezogen bevor darunter zusätzlich eine Akustikdecke montiert wurde. Die darüber liegenden Holzbalken differierten teilweise erheblich, so dass über die eingesetzten Nonius-Abhänger ein Ausgleich erreicht werden musste. Zur Sicherung des angestrebten Brandschutzes wurden 10 cm Mineralwolle aufgelegt und „Rigips Die Dicke“ zur Bekleidung verwendet.
Nach Rücksprache mit dem Brandschutzbeauftragten wurden die Abhänger für die 10 cm darunter anzuschließenden, insgesamt 320 mª Akustikdecken durch diese Deckenbekleidung durchgeführt, um ebenfalls in der Holzbalkendecke befestigt zu werden. Alle Durchdringungen wurden mit „Super Fugenfüller“ von Rigips feuer- und rauchsicher abgedichtet. Auf alle Schallabsorptionsdecken aus Lochplatten – einerlei ob direkt unter die Rohdecke oder abgehängt montiert – wurden 3 cm Mineralwolle dicht gestoßen aufgelegt.
Historische Gussstützen sicher angeschlossen
Beim Entfernen von Raumtrennwänden im Erdgeschoss waren historische Gussstützen gefunden worden, die frei gelegt und sichtbar gemacht werden sollten. Hierdurch wurde die geplante Bekleidung der darüber liegenden Stahlträgerpaare mit „Ridurit (Glasroc F)“ in F 90 deutlich erschwert.
Der Zwischenraum von etwa 6 cm zwischen den HE-B 200 und HE-M 220 Stahlträgern war mit Beton ausgefüllt, mittig unter jedem Trägerpaar stand die historische Vollstahlstütze. Auch zwischen deren Kapitel und der Unterkante des Stahlträgerflansches war ein etwa 6 cm breiter Zwischenraum mit Beton ausgefüllt worden, eine Befestigung der Stütze am Flansch gab es nicht.
Marco Schünzel erinnert sich an die detaillierte Abstimmung mit dem Brandschutzbeauftragten und der Rigips-Technik: „Nach einer Beratung mit Ulrich Klocke und dem zuständigen Planungsbüro fiel die Entscheidung für eine seitliche Bekleidung der HE-B 200 Stahlträgerpaare mit 1 x 25 mm ‚Ridurit (Glasroc F)’-Feuerschutzplatten und der HE-M 220 mit 1 x 20 mm ‚Ridurit (Glasroc F)’. Unterseitig wurde jeweils eine vollflächige direkte Befestigung von 25 mm ‚Ridurit (Glasroc F)’-Feuerschutzplatten mittels Setzbolzen im Stahlträgeruntergurt vorgenommen. Um den Anforderungen des Brandschutzes zu genügen, wurde die für alle Stoßfugen notwendige Hinterlegung im Bereich der Untergurtbekleidung durch eine vollflächige Aufdoppelung mit ‚Ridurit (Glasroc F)’ (1 x 20 mm und 1 x 15 mm) kompensiert. Auch die Befestigung der Stahlsäule durch die ‚Ridurit (Glasroc F)’-Verkleidung hindurch im Stahlträgerflansch wurde mit dem zuständigen Brandschutzbeauftragen abgestimmt.“
Harmonie durch professionelle Anschlüsse
Einfühlsam wurden alle abgehängten Decken an vorhandene Radien angepasst. Um eventuell „Bewegungen“ der Holzbalkendecke sicher aufnehmen zu können, mussten alle Wandanschlüsse gleitend ausgebildet werden. Aufwändig gestaltete sich dieser Anschluss der Decke vor allem an einige der Raumtrennwände, die mit Oberlichtern ausgestattet wurden, um die dahinter liegenden Räume mit Tageslicht zu versorgen.
In vielen Räumen mussten spezielle Unterkonstruktionen für schwere hängende Lasten wie Studiogeräte oder Akustikvorhänge erstellt und direkt an der Rohdecke befestigt werden. Die 1-läufige Vorhangschiene vor der Fensterfront der Aula etwa wurde aus Mehrschichtplattenhölzern erstellt und deckenbündig in die abgehängte Akustikdecke integriert.
Im Dachgeschoss agierten die Mitarbeiter von Jaeger Akustik auf einem 8,70 m hohen Gerüst, von dem aus die raumseitige Bekleidung der Sparren mit Feuerschutzplatten und eine Zwischensparrendämmung der WLG 040 mit einer Dampfbremse winddicht und sachgerecht eingebracht wurden. Abschließend wurden auf dem gesamten Dachboden rund 160 m2 „Rigidur Estrichelemente“ verlegt, um die uneingeschränkte Begehbarkeit der obersten Geschossdecke sicherzustellen.
Insgesamt wurden im Objekt umfassende Sanierungs- und Brandschutzmaßnahmen u. a. mit 60 mª „Ridurit (Glasroc F)“-Feuerschutzplatten von Rigips, 637 mª Brandschutzdecken, System Nr. 4.50.32 mit „Die Dicke 20“, 680 mª Akustikdecken mit „Rigiton Lochplatten 8/18“, 160 mª Bodenfläche mit „Rigidur Estrichelementen“ sowie 115 mª Vorsatzschalen und 171 mª abgehängte Decken realisiert.
Bautafel
Bauherr: Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW Duisburg für das Land Nordrhein-Westfalen
Tragwerksplanung/Brandschutz: Niederstein + Hahn + Schiffmann, Essen
Schall- u. Wärmeschutz/Raumakustik: Graner + Partner, Bergisch Gladbach
Trockenbau: Jaeger Akustik GmbH & Co. KG, Dortmund
Systemberater: Ulrich Klocke, Saint-Gobain Rigips GmbH
Preußenflügel der Folkwang Hochschule in Essen
Im Untergeschoss des „Preußenflügels“ sollten unter den frei gelegten historischen Gewölben erstmalig Übungsräume für Musiker eingerichtet werden. Je nach geplanter Belegung wurden dort gebogene oder gerade Schall- und Brandschutzdecke montiert, meist „Rigiton“-Akustikdecken.
In einigen Übungsräumen wurden zunächst vollflächig F 90-Brandschutzdecken eingezogen und anschließend Abhänger für eine 10 cm darunter zu montierende Akustikdecke durchgeführt, um diese ebenfalls in der Holzbalkendecke zu befestigen.
Vorhandene Holzbalkendecken sowie die Bekleidung der Dachschrägen und aller tragenden Wände, der Wände des Foyers, der Elektrotechnikräume, Lagerräume und Werkstätten wurden von Jaeger Akustik fachgerecht in F 90-Qualität geschützt.