Die Gewinner der Rigips Trophy

Die Gewinner der Rigips Trophy

01.04.2012

8 aus 150 Trockenbauunternehmen, von einer Fachjury ausgewählt, wurden für Ihre Ausbauleistungen geehrt.

Leistungsspitze des deutschen Trockenbaus.

Am 24. Februar 2012 war es endlich soweit: Acht Trockenbauunternehmen, die im November des vergangenen Jahres von einer hochkarätig besetzten Fachjury aus rund 150 eingereichten Wettbewerbsbeiträgen ausgewählt worden waren, wurden im Rahmen der Rigips Trophy ´11 für erstklassige Ausbauleistungen ausgezeichnet. Mit ihren Projekten beweisen sie eindrucksvoll, zu welchen Leistungen der moderne Trockenbau fähig ist.

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden - Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH, Töging, Foto: H.-J. KrumnowKategorie Trockenbau, 1. Platz - Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden
Auf den ersten Platz in der Kategorie Trockenbau wählte die Jury die Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH aus Töging mit ihrem Ausbau des neu eröffneten Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden. Die auffällige architektonische Neugestaltung des Gebäudes nach den Plänen des Architekten Daniel Libeskind veränderte nicht nur das äußere Erscheinungsbild des neoklassizistischen Gebäudes, sondern forderte im Inneren von den Trockenbauprofis aus Töging handwerkliches Können auf höchstem Niveau. Unter anderem die Verbindung des historischen Bestandsgebäudes mit einem mehrgeschossigen, keilförmigen Neubau sorgte für spannende Herausforderungen: So konnten, bedingt durch die architektonischen Vorgaben, keinerlei standardisierte Konstruktionssysteme eingesetzt werden. Mehr als 220 Sonderkonstruktionen und zahlreiche innovative Detaillösungen wurden entwickelt. Insbesondere die Wiederherstellung des historischen Kreuzgewölbes und dessen Anarbeitung an die keilförmige Stahlbaukonstruktion, die das Bestandsgebäude spektakulär durchdringt, zeigen die Möglichkeiten des modernen Trockenbaus eindrucksvoll auf.

Einstimmig und von den gezeigten Leistungen begeistert, lobte die Fachjury die in diesem Objekt gezeigte Trockenbaukompetenz der Baierl & Demmelhuber Innenausbau GmbH. Das Objekt zeige vorbildlich, wie der Trockenbau die Extravaganz eines architektonischen Entwurfes für den Besucher überhaupt erst erlebbar macht. Durch eine immense technische Leistung wurden viele unterschiedliche Aufgaben meisterlich gelöst. Neue und alte Formen des Gebäudes gleichermaßen profitieren von Trockenbauausführungen auf Top-Niveau.

Kategorie Trockenbau, 2. Platz: Pavillon Hafenspitze, Düsseldorf
Mit dem Innenausbau eines neu errichteten Pavillons in Düsseldorf, der seit seiner Fertigstellung als Bar und Restaurant genutzt wird, gewann die Heinz Mänz Ausbau GmbH den zweiten Platz in der Kategorie Trockenbau. Der Pavillon gehört zu einem Gebäudeensemble im Düsseldorfer Medienhafen und besticht durch seine eiförmige Silhouette und seine ungewöhnliche Außenhaut aus spiegelnden Aluschindeln. Die zunächst geplante innenseitige Abdeckung mit einer imprägnierten Rauhspund-Holzschalung konnte der Kontur der Außenhaut nur unzureichend folgen, weshalb das Trockenbauteam auf eine Konstruktion mit gebogenen Gipsplatten setzte. Die aufwändig erstellte Unterkonstruktion aus gebogenen Weitspannträgern und einem gewölbten Feinrost bildet in Bereichen mit sehr kleinen Radien die Basis für bis zu drei Lagen der biegsamen „GK-Form“-Platte. Im Deckenbereich waren zudem Versprünge in der Unterkonstruktion vorgesehen, um dort 20 mm tiefe Felder zu modellieren. Auch die Fensterlaibungen wurden zur Wahrung der runden Form entsprechend angepasst. Eine Farbbeschichtung und ein erstklassiges Oberflächenfinish unterstreichen die außergewöhnliche Innenraumanmutung.

Eine von der Unterkonstruktion über die Verarbeitung der Gipsplatten bis zur Oberflächenbehandlung durchgängig prämierungswürdige Ausbauleistung, befand auch die Fachjury. Nur die perfekte Kombination dieser drei Säulen des Trockenbaus haben im Düsseldorfer Medienhafen ein Objekt entstehen lassen, dessen Inneres seinem Äußeren in nichts nachsteht.


Kategorie Trockenbau, 3. Platz: Notfallambulanz St. Elisabeth Krankenhaus, Halle (Saale)
Notfallambulanz St. Elisabeth Krankenhaus, Halle (Saale) - FCM Fähnrich GmbH, SalzatalNach dem Entwurf eines Absolventen der Kunsthochschule Halle an der Saale entstand in der Notfallambulanz des St. Elisabeth Krankenhauses in Halle ein Bauteil, für dessen kunstfertige und handwerklich perfekte Umsetzung die FCM Fähnrich GmbH aus Salzatal mit der bronzenen Trophäe in der Kategorie Trockenbau ausgezeichnet wurde. Über eine Länge von 54 Metern entstand eine skulpturale Deckengestaltung, die nicht nur die umfangreiche Installationstechnik des Klinikbaus aufnimmt, sondern zugleich den gesamten Raum mit ihrer außergewöhnlichen Formgebung prägt. Die Umsetzung der Geometrien und harmonischen Proportionen ließen keinerlei Maßtoleranzen in der Ausführung zu. Handwerk auf höchstem Niveau verlangten auch die Oberflächen – ein ausgefeiltes Licht- und Schattenspiel unterstreicht das Formenkonzept der Decke und hätte jede Unebenheit sofort „entlarvt“.

Als ein perfekt umgesetztes Ausbauprojekt im fließenden Grenzbereich zwischen Kunst und Handwerk würdigte die Fachjury der Rigips Trophy die Leistung der FCM Fähnrich GmbH. Insbesondere durch die enge und kontinuierliche Abstimmung zwischen dem ausführenden Trockenbauunternehmen sowie dem Künstler, dem Architekten und der technischen Abteilung des Krankenhauses wurde ein den Raum belebendes Gesamtkonzept überzeugend realisiert.

In einer öffentlichen Ausschreibung waren mehrere Ausbaubetriebe dazu aufgefordert, ein Deckenmodell für den im Zuge einer Modernisierung raumakustisch aufzuwertenden Hörsaal des wirtschaftswissenschaftlichen Instituts der Berliner Humboldt-Universität abzugeben. Mit ihrem eingereichten Deckenmuster überzeugte die Möbel Damm GmbH zunächst Architekt und Bauherr, mit der gekonnten Umsetzung des raumakustischen Konzepts an Decke und Wand dann auch die Fachjury, was ihr den 1. Platz im Leistungsbereich Akustiksysteme der Rigips Trophy ´11 einbringt. Insgesamt 15 Einzeldeckenfelder – von unterschiedlicher Größe und dreidimensional konkav gewölbt – wurden vom Ausbauteam schuppenförmig übereinander angeordnet und dreiseitig überlappend montiert. Durch das Zusammenwirken aus glatten, schallreflektierenden sowie schallabsorbierenden Lochplatten an Decke und Wänden entstand nicht nur eine raumakustisch wirksame Gesamtkonstruktion, sondern auch eine optisch interessante Anmutung. Ein Raumgefühl, das auch durch die variabel regelbare Kombination aus indirekter und direkter Beleuchtung betont wird.

Die handwerklichen Fertigkeiten des Verarbeiters verbinden sich, so die Einschätzung der Jury, in diesem Objekt vorbildlich mit dem Gestaltungswillen des Planers. Erst durch die ausgeführten Trockenbaumaßnahmen hinterlässt der Raum einen bleibenden Eindruck beim Besucher. Insbesondere die in den Aufkantungen der einzelnen Deckenschuppen verborgene indirekte Beleuchtung unterstützt die Linienführung der gesamten Raumgeometrie. Das Licht versinnbildlicht damit die raumakustische Wirkung der einzelnen Deckenelemente und hebt so die perfekte Synthese aus Form und Funktion in besonderer Weise hervor.

Die Spitzenposition im Leistungsbereich Brandschutzsysteme konnte sich die MAG-Projekt GmbH aus Wesseling mit dem brandschutztechnischen Ausbau des so genannten Blau-Gold-Hauses in Köln sichern. Dieser 1952 erstellte, damals spektakulärste Kölner Neubau der Nachkriegsjahre, basiert auf einer Stahlskelettkonstruktion und zeigt eine aufwändig gestaltete Vorhangfassade. Nach der Entscheidung des angrenzenden Le Méridien Dom Hotels, sein Raumangebot in die vier oberen Geschosse des Blau-Gold-Hauses zu erweitern, waren die Experten der MAG-Projekt GmbH gefragt, denn das Gebäude genügte weder statisch noch brandschutz- und schallschutztechnisch den heutigen Anforderungen und Vorschriften für Hotel- und Konferenzräume. Nach der vollständigen Entkernung des Blau-Gold-Hauses mussten zahlreiche Stahlstützen und Stahlträger brandschutztechnisch bekleidet, Brandschutzdecken sowie Raumtrennwände eingezogen werden. Das Schwingverhalten des Stahlskelettgebäudes machte dabei durchgängig gleitend ausgeführte Deckenanschlüsse zwingend erforderlich.

Das direkt gegenüber dem Kölner Dom liegende Gebäude wurde durch die mustergültige Umsetzung der vielfältigen brandschutztechnischen Maßnahmen einer neuen, werterhaltenden Nutzung zugeführt. Das Blau-Gold-Haus stellt in den Augen der Jury damit ein gutes Beispiel für eine durchweg gelungene Integration hoher Brandschutzqualitäten in eine vorhandene Bausubstanz dar. Zudem erfüllen viele Brandschutzkonstruktionen gleichzeitig die Funktion eines Tragegerüsts für nachfolgende Haustechnik-Konstruktionen.

Als einzigartig und damit eindeutig qualifiziert für den Sieg im Leistungsbereich Premiumsysteme befand die Jury die Ausbauarbeiten von Stuckateurmeister Martin Ranft in der Neuen Synagoge in Mainz. Die Innenräume der Synagoge sollten mit speziellen Reliefplatten gestaltet werden. Als verlässliche Grundlage für dieses Gesamtkunstwerk setzten Martin Ranft und sein Team auf Rigidur-Gipsfaserplatten von Rigips: Wände und Decken des Baukörpers waren zu Beginn der Ausbauphase noch zu feucht, um Träger- und Schriftplatten anzubringen. Zur Vermeidung von Rissen brachten die Handwerker daher zunächst eine Profil-Unterkonstruktion mit Direktabhängern an und sicherten diese mit Winkeln am Baukörper. Es folgte die Beplankung mit „Rigidur H“-Gipsfaserplatten, die sich aufgrund ihrer Materialeigenschaften als idealer Untergrund für die aufzubringenden Ornament- und Schriftplatten empfahlen. Diese wurden als speziell entwickelte Flachreliefplatten aus nur drei Millimeter starkem Hartformgips auf die Vorsatzschalen geklebt. Unterbrochen wird das Wandbild immer wieder von Bereichen mit lesbaren Texten aus der Thora. Hier wurde Buchstabe für Buchstabe mit dem „Rigidur Nature Line“-Kleber gesetzt und angearbeitet.

Eine Meisterleistung in der Ausführung, die zu einem meisterlichen Gesamtbau geführt hat. Sowohl die Auswahl der einzelnen Konstruktionselemente, die Sicherstellung der dauerhaften Rissfreiheit des aufwändig gestalteten Wand- und Deckenaufbaus, die teils schwierige Ausbildung vieler Wand- und Dachschrägen sowie die handwerkliche Präzision beim Aufbringen der für das Verarbeiterteam ungewohnten Ornamente machen Martin Ranft zu einem mehr als würdigen Gewinner im Leistungsbereich Premiumsysteme.

Mit der Sanierung und dem Ausbau eines Dachgeschosses in einem Fachwerkhaus aus dem 14. Jahrhundert stellt die OKEL GmbH & Co. KG aus Diemelstadt den diesjährigen Gewinner im Leistungsbereich Wohnbau. Der bislang ungenutzte, großzügige Dachraum des historischen Gebäudes sollte zu einem Wohnbereich und einer kulturellen Begegnungsstätte und Privatgalerie ausgebaut werden. Dadurch, dass das Gebäude aus einem Vorder- und Hinterhaus mit unterschiedlichen Traufenhöhen und separater Dacheindeckung besteht, ergaben sich anspruchsvolle Raumsituationen. Unbedingt erhalten bleiben sollte die Fachwerkkonstruktion im Inneren, die deshalb nicht von Raumteilungen und Einbauten verdeckt werden durfte. Neben der Aufarbeitung des Holztragwerks kamen zahlreiche Trockenbaulösungen zum Einsatz, die durch ihre Leistungsfähigkeit modernen Wohnraum entstehen ließen. So sorgen etwa raumflächenintegrierte Heiz- und Kühldeckensysteme dank der Bekleidung mit hoch wärmeleitfähigen „Climafit“-Spezialgipsplatten für ein angenehmes Raumklima. Insgesamt entstanden auf einer Fläche von 300 Quadratmetern hochwertige Wohn- und Ausstellungsräume, die ihre Wirkung vor allem durch das zurückhaltende und doch prägende Zusammenspiel von Gips und Holz entfalten.

„Eine technisch und gestalterisch ebenso spannende wie anspruchsvolle Arbeit“, lautete das Votum der Fachjury. Die Gestaltung sei eigenständig und unterstreiche durch die integrierten Podeste und die Öffnungen in den Decken den Loft-Charakter und die fließenden Grundrisse zwischen Wohn- und Galeriebereichen. Das Objekt zeige auf besonders schöne Art und Weise, wie aus einem historischen Gebäude mit Trockenbaumaterialien ein zeitloses Wohnambiente auf hohem Niveau geschaffen werden könne.

Das bestehende Handelszentrum Rheinpark-Center Neuss wurde durch Umstrukturierungen den heutigen technischen und ästhetischen Anforderungen an eine Handelsimmobilie angepasst. Für die Trockenbauleistungen auf dem knapp 130.000 Quadratmeter großen Areal zeichnete die Jury die Sybatec GmbH aus. In Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 80 Monteure an den teilweise äußerst komplexen Konstruktionen. So gestaltete sich beispielsweise die Bekleidung von vier Rotunden in 20 bis 28 Metern Höhe aufgrund unebener Betonflächen schwierig. Hilfskonstruktionen in Form von speziell gefertigten, verschiebbaren Konsolen lösten diese Aufgabe und nahmen die Unebenheiten des Rohbaus auf. Vorgesehene Faltelemente aus Gipskarton sowie schuppenförmig verlegte Gipsplatten prägen das Erscheinungsbild der Rotunden. Eine Bekleidung, wie sie sich auch auf den vorhandenen Dachträgern wiederfindet. Die so entstehende, ruhige Ästhetik der großen, tragenden Bauteile sollte unter anderem durch Lichtdecken in der Einkaufsmall kontrastiert werden. Zahlreiche Lampenausschnitte im Durchmesser von 1,20 bis 2 Metern wurden hierfür exakt vermessen.

Für die Jury der Rigips Trophy ´11 ist das Rheinpark-Center ein Gewinner-Objekt, gerade weil es die „typische“ Anmutung eines Einkaufscenters aufbricht. Unter anderem durch die schuppenförmige Anordnung der Rigips-Platten und den Verzicht auf grell-bunte Farben wird hier deutlich, in welchem Ausmaß der Trockenbau im wahrsten Sinne des Wortes raumbildender Ausbau sein kann.

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